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Kompetenz und Zuwendung
unter vier Dächern

30 Millionen für neue Kreisklinik

Prien - Einen Tag vor Weihnachten 2005 bekamen die Priener ein dickes Päckchen unter den Christbaum gelegt.

Klaus Peter Fischer, Vorstand der Triamed-Kreiskliniken, hatte der Chiemgau-Zeitung exklusiv die Pläne für den Standort Prien präsentiert. Für rund 30 Millionen Euro soll bis 2010 ein Großteil des Komplexes abgerissen und neu gebaut werden. Außerdem sind nördlich des so genannten Funktionstrakts ein Gebäude für Privatpatienten und ein ambulantes Facharztzentrum vorgesehen. Inzwischen sind die komplexen Vorbereitungen gut vorangekommen. Mitte nächsten Jahres könnten die Bauarbeiten beginnen, sagten Landrat Dr. Max Gimple und Fischer im Gespräch mit der Heimatzeitung.

«Prien ist am dransten», umschrieb Gimple den politischen Willen. Während das Kreiskrankenhaus Bad Aibling «fast neu» sei und in Wasserburg während seiner Amtszeit Funktions- und Bettentrakt erneuert worden seien, stamme der Großteil der Gebäude am Chiemsee noch aus den 60er Jahren und die «Lebensdauer» eines Krankenhauses liege nur bei 40 Jahren. Deshalb trägt die Politik die Idee Fischers mit.

Für den Vorstand des Kommunalunternehmens, in dem die drei Häuser seit einigen Jahren zusammengefasst sind, ist die bauliche Frischzellenkur unabdingbar, um langfristig die medizinische Grundversorgung und einen wirtschaftlichen Betrieb sicherzustellen. Ein Gutachten hatte schon vor Jahren ergeben, dass es zwische Neubau und Generalsanierung finanziell praktisch keinen Unterschied gibt.

Inzwischen sind die Weichen weitgehend gestellt. Der Verwaltungsrat mit dem Landrat an der Spitze hat sich heuer in mehreren Sitzungen intensiv mit dem Projekt beschäftigt. Derzeit bekommen die Pläne, die ein großes Münchner Architekturbüro, das auf Krankenhäuser spezialisiert ist, erarbeitet hat, in Traunstein bei den Architekten Zeller und Romstätter den letzten, «Chiemsee-spezifischen» Feinschliff. Auch ein Landschaftsplaner für die Außenanlagen soll noch hinzugezogen werden, damit das Gesamtvorhaben «in sich stimmig ist», kündigte Gimple an.

Bis Anfang September soll das erledigt sein, dann sollen die Entwürfe mit den betroffenen Ministerien, dem Markt Prien und den Fachbehörden im Landratsamt abgestimmt, vom Verwaltungsrat und anschließend noch heuer vom Kreistag abgesegnet werden, sagte Gimple zum weiteren Fahrplan.

Vor allem die Landespolitik spielt eine entscheidende Rolle. Nach den bisherigen Verhandlungen sind Landrat und Vorstand sehr zuversichtlich, dass sich der Freistaat mit Fördermitteln in zweistelliger Millionenhöhe beteiligen wird. In der Prioritätenliste des bayerischen Krankenhaus-Planungsausschusses steht Prien ganz oben, die künftige Bettenzahl von 140 sei zwischenzeitlich im Krankenhaus-Bedarfsplan des Freistaats genehmigt worden, sagte Fischer.

Immer mehr ambulante OPs

Bisher verfügt die Klinik über 200 Betten. Mit der Reduzierung gehe aber keineswegs ein Personalabbau einher, nahm der Vorstand möglichen Befürchtungen den Wind aus den Segeln. Grund für den Bettenabbau sei vor allem die Verschiebung von stationären zu ambulanten Operationen, was einen deutlichen Rückgang der Verweildauer zur Folge hat. Die Patienten würden oft viel früher wieder nach Hause gelassen als noch vor Jahren - eine Folge des medizinischen Fortschritts. Wurden 2004 in Prien noch rund 600 Patienten ambulant operiert, waren es im letzten Jahr schon fast doppelt so viele. Und diese Zahl habe sich heuer nochmal um mehr als ein Drittel erhöht, erläuterte der Vorstand.

Um alle Behandlungen auch in Zukunft nach dem neuesten medizinischen Stand anbieten zu können, sei «eher mehr Personal» erforderlich.

Zu den 140 Planbetten sollen noch gut 20 weitere kommen, die für Privatpatienten reserviert sind, «um die Lage zu nutzen», spielte der Landrat auf den Standortvorteil am Chiemseeufer an. Ursprünglich sollte dieser Bereich mit Hotelcharakter als oberste, fünfte Etage auf dem Neubau thronen. Davon ist man inzwischen wieder abgekommen. Der Privatbettenbereich soll unmittelbar nördlich an den Funktionstrakt angeschlossen werden, der aus den 80er Jahren stammt und als einziges Gebäude stehen bleibt.

An den Privattrakt wiederum schließt sich ein ambulantes Facharztzentrum mit voraussichtlich fünf Praxen an. Gedacht ist an eine «fachliche Verbreiterung» (Fischer), unter anderem an Dialyse und plastische Chirurgie. Hier solle aber keine neue Konkurrenz für etablierte regionale Spezialisten entstehen, sondern diese vielmehr in den Klinikbetrieb eingebunden werden, betonte Gimple. Die Nachfrage sei enorm, unterschrieben noch nichts, ergänzte Fischer.

Baubeginn Mitte 2007 geplant

Für die förderfähige Sanierung setzen die Verantwortlichen etwa 20 Millionen Euro an, für die Ergänzung um Privattrakt und Facharztzentrum weitere zehn Millionen. Ob zur Finanzierung dieser Neuerungen eventuell ein privater Investor mit ins Boot geholt wird, sei noch völlig offen, aber nicht ausgeschlossen, so der Landrat. «Alles ist denkbar.»

Wenn der Fahrplan eingehalten werden kann, soll es schon Mitte 2007 losgehen. Bauvorbereitend soll dann für 1,2 Millionen Euro eine neue Elektrozentrale geschaffen und - vorausgesetzt, die Finanzierung steht - mit dem Facharztzentrum begonnen werden. Für dessen Vollendung setzt Fischer 15 Monate an.

Das Zentrum und der Privattrakt sollen später als Übergangsquartiere dienen, so dass der Betrieb während der beiden weiteren Bauabschnitte, für die ebenfalls jeweils 15 Monate angesetzt werden, aufrecht erhalten werden kann. Wenn alles gut geht, könnte die neue Priener Kreisklinik also bis 2010 fertig werden.