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Kompetenz und Zuwendung
unter vier Dächern
Foto: Chiemgau Zeitung
Foto: Chiemgau Zeitung

In der Luft Leben gerettet

Chiemgau Zeitung, 19.05.08
Vorsichtig wird der Patient auf die Bahre gelegt, die Schwester überreicht die Beatmungsmaschine und dann geht es abwärts. Aus dem vierten Stock rettet die Feuerwehr einen Intensivpatienten mittels Leiter und einer Bahre, die auf den Korb montiert ist. Unten angekommen entpuppt sich dieser Patient tatsächlich als Puppe, die anderen 13 sind aber aus Fleisch und Blut und gehören im realen Leben der Belegschaft der Kreisklinik an. 65 Feuerwehrmänner und 33 BRKler waren ausgerückt, um sie zu «retten» und für den Ernstfall, einem Brand in der Triamed Kreisklinik, zu üben.

Kurz vor 19 Uhr hängen noch Schilder an den Zimmertüren im zweiten Stock, auf einem steht «Zimmer verraucht», auf dem anderen «Zimmer brennt». Die «Patienten» sind noch guter Dinge und scherzen mit dem Chefarzt, Dr. Christoph von Ritter, über ihre Blessuren. Punkt 19 Uhr wird's hektisch. «Da riecht es nach Rauch», ruft eine Schwester und rennt zu der Tür mit der Aufschrift «Zimmer brennt». Dann flitzt sie den Gang zurück und betätigt den Brandmelder. Pflegedienstleiterin Doris Hoffmann hat alles gut vorbereitet, denn nun gilt es, die Patienten zu evakuieren und in einen sicheren Teil des Gebäudes zu bringen.

Peter Bolz, nimmt derweilen jede Aktivität der Schwestern akribisch mit der Kamera auf. Er ist für den Brandschutz in den drei Kreiskliniken zuständig, genauer gesagt, für die entsprechende Schulung des Personals. «Auf der Station sind jetzt nur zwei Schwestern, jetzt müssen aus den anderen Stationen weitere Helfer kommen», so Bolz. Später wird er feststellen, dass sich die Brandschutztüren nicht automatisch nach dem Drücken des Alarmknopfes schließen. «Allein dafür hat sich die Übung schon gelohnt», kommentiert er die technische Fehlleistung. Dass kein Diskorauch zum Einsatz kommt, hat auch seinen Grund. Denn dieser könnte die Rauchmelder beschädigen und so Probleme bereiten.

Sehr schnell sind alle Patienten aus der betroffenen Station entfernt. Die ans Bett gebundenen Kranken rettet Minuten später die Feuerwehr. Wie Stefan Pfliegl, der Kommandant der Priener Feuerwehr erklärt, werden drei von ihnen auf einer Bahre sowie mittels Einsatzkorb und Feuerwehrleiter aus einem Fenster aus dem zweiten Stock geborgen. Andere gehen zu Fuß oder werden im Rollstuhl aus einem der Treppenhäuser ins Freie gerollt.

Noch bevor der erste Patient überhaupt ins Freie kommt, sind schon die Feuerwehren aus Prien, Rimsting und Atzing eingetroffen. Deren Anmarsch wird von den echten Patienten mit Spannung verfolgt. Sie stehen an den Fenstern und beobachten, wie die Brandschützer ihre Gerätschaften in Stellung bringen. Schläuche werden ausgerollt und am Hydranten angeschlossen, am Wagen mit der großen hydraulischen Leiter bringen sich die Stabilisatoren mit Höllenlärm in Stellung. 65 Mann (aber auch einige weibliche Feuerwehrfrauen) in Montur, manche davon mit Gasmasken, üben den Ernstfall und der findet bei einem Krankenhaus unter erschwerten Bedingungen statt. «Wir führen die Übung ja bei laufenden Betrieb durch und sind außerdem voll belegt», erklärt von Ritter und beobachtet mit Professor Dr. Josef Stadler, wie die Rettung abläuft.

Auch das Bayerische Rote Kreuz ist bereits eingetroffen und die «Schnelle Einsatzgruppe» (SEG) hat in Windeseile ein Zelt aufgebaut und nimmt die Patienten in Empfang. Da der Raum vor dem Krankenhaus begrenzt ist, ist das BRK auf den Parkplatz der benachbarten Chiemsee Yachtschule ausgewichen.

Zum ersten Mal kommt bei der Übung eine Art von Kleinstcomputer zum Einsatz, der die Daten der Patienten sofort an die Einsatzleitung weiterschickt. Diese hat in einem Wagen des BRK ihre Stellung und Andi Baumgartner, der Leiter, erklärt die Vorteile des neuen Systems. Denn so könnten die Befunde gleich ausgewertet und Kranken schnellst möglich in andere Krankenhäuser transportiert werden. Vor Ort hat sich der leitende Notarzt, Dr. Otto Steiner, der Patienten angenommen.

«Wir werden jetzt natürlich intensiv die Ergebnisse auswerten und uns zusammensetzen», erklärt Bolz am Ende der Übung, denn nun geht es darum, festzustellen, was man im Ernstfall noch besser machen kann. daa