RoMed Kliniken Logo
Kompetenz und Zuwendung
unter vier Dächern
Blick in das Pumpenhaus
Blick in das Pumpenhaus
Gerhard Neugebauer (re.), Leiter Gebäudeleittechnik und Energiemanagement erklärt die Funktionsweise der Anlage
Blick in das Pumpenhaus

RoMed Klinikum Rosenheim

Der Inn als Kältequelle für das Klinikum –
regenerativ, nachhaltig und umweltfreundlich
Bundesweit einmaliges Großprojekt erfolgreich umgesetzt

Im RoMed Klinikum Rosenheim basierte die Kälteversorgung bisher auf konventioneller Kälteerzeugung und einer Grundwasser-Brunnenkühlung, sowie einer nachgeschalteten Kompressions- und Absorptionskälteanlage. Im Hinblick auf die Entwicklung für die nächsten 15 bis 20 Jahre stellte sich im Rahmen der technischen Zielplanung ein klarer Handlungsbedarf bei der Kälteversorgung für das Klinikum heraus. Vollklimatisierte Funktionsbereiche wie Operationssäle und Intensivstationen, die stetig steigenden Abwärmelasten von medizintechnischen Großgeräten, wie Kernspin- und Computertomograph oder Herzkathetermeßplatz, erfordern immer mehr Kälteenergie. Um diesen Bedarf zu decken, hätten die bestehenden Einrichtungen umfassend erweitert werden müssen, mit den Nachteilen, dass Stromkosten, Schall- und CO²-Emissionen kräftig ansteigen würden. Auf Sicht eine sehr unbefriedigende Lösung!

 

Was tun? Welche Lösungsansätze gibt es?

Um über diese Fragestellung zu diskutieren, trafen sich an einem kalten Frühlingstag vor fünf Jahren Vertreter des RoMed Klinikums Rosenheim mit Spezialisten vom Ingenieurbüro Duschl. Im Laufe der Debatte deutete ein Klinikmitarbeiter aus dem Bürofenster, zeigte auf den Inn und sagte: „Wir haben den Inn vor der Haustür, da fließt die Kälte buchstäblich an uns vorbei! Wir müssten es nur irgendwie schaffen, die Innkälte für uns zu nutzen.“ So entsprang eine innovative und zugleich visionäre Idee, welche die Beteiligten fortan nicht mehr losließ.

 

Theoretisch alles ganz einfach – aber praktisch?

Um eine Idee dieser Größenordnung in die Tat umzusetzen, brauchte es einige kühle Köpfe und zunächst ein analytisches Gutachten, inwiefern eine Realisierung tatsächlich möglich erscheint. Umfassende Recherchen des Ingenieurbüros Duschl waren nun gefragt. Dabei ging es um die chemische wie auch die physikalische Beschaffenheit des Inns, die hydraulischen Verhältnisse sowie um Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Bei den Grundüberlegungen standen sich Vorteile und Nachteile gegenüber. Der Kältebedarf könnte durch die beliebig verfügbare Wassermenge des Inns und die niedrigen Temperaturen komplett für Neubauten und in großem Umfang für bestehende Gebäude genutzt werden. Eine nahezu unbegrenzte Kältequelle für die Zukunft! Das Verfahren ist regenerativ und emissionsfrei. Nachteile sind der große bauliche Aufwand mit Dammquerung und einem eigenen Technikgebäude sowie der stark sedimentbeladene Inn, der einen erhöhten verfahrenstechnischen Aufwand zur Reinigung nach sich zieht. Nach der Betrachtung der Kosten für konventionelle Kälteerzeugung von 2,2 ct/kWh im Vergleich zu 0,45 ct/kWh bei der Kältegewinnung durch den Inn und einer CO²-Einsparung von ca. 354 t/a - das entspricht in etwa 1,6 Mio. km mit dem PKW in einem Jahr - war die Entscheidung klar: Die Innkühlung soll umgesetzt werden!

 

Jetzt geht’s los - Realisierungsphase

Zunächst musste eine Wasserentnahmestelle am Inn errichtet werden, die vom Münchener Ingenieurbüro Schlegel geplant wurde. Anschließend war die Querung des Inndammes nötig. Eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe, da der Hochwasserschutz absolute Priorität hatte. Mit Schwergeräten wurde der Damm mit Schutzrohren durchpresst (sog. Rohrvortriebsverfahren), die im weiteren Verlauf unter der angrenzenden Straße zum Technikgebäude (sog. Pumpenhaus) geführt wurden. Nach Klärung der nachbarschaftlichen Interessen folgte der Ankauf eines kleinen Teilgrundstückes vom Bund, das bisher zum Übungsgelände des Technischen Hilfswerks gehörte. Auf dieser Teilfläche, die direkt am bestehenden Klinikgelände angrenzt, entstand ein unscheinbares Technikgebäude. Darin befindet sich jedoch das gesamte Know-how der Anlage, sozusagen das Herzstück, mit Pumpen, Filter und Wärmetauscher. Das hört sich im Grunde nach einer ganz einfachen Ausstattung an, ist es aber wahrlich nicht. Denn keine Komponente durfte eine Gefahr für das Innwasser darstellen. So brauchen z. B. die eingesetzten Pumpen kein Schmieröl. Die nächste Herausforderung war die Notwendigkeit einer Filteranlage, da das Innwasser naturgemäß jede Menge Kiesel und Sand mit sich führt und so auf Dauer die Leitungen versanden und die Wärmetauscherplatten verschließen könnten. „Gelöst haben wir das Problem, indem wir selbstreinigende Filteranlagen aus der Abwassertechnik eingesetzt haben“, berichtet Projektleiter Dipl.-Ing. Alexander von Schneydervom Ingenieurbüro Duschl.

 

Wie funktioniert die Innkühlung?

Über ein Rohrsystem wird dem Inn Wasser entnommen und mittels einer Saugleitung zum Technikgebäude gepumpt, gefiltert, durch einen Wärmetauscher geleitet und wieder in den Inn zurückgeleitet. Vom Klinikum führen ebenfalls Rohrleitungen zum Pumpenhaus. Durch diese Leitungen fließt das Kühlwasser des Klinikums zum Wärmetauscher, wird dort durch das Innwasser abgekühlt und wieder zurück ins Klinikum gepumpt. „Es handelt sich dabei um zwei völlig voneinander getrennte Wasserkreisläufe“, betont Dipl.-Ing. (FH) Christoph Winkler vom Ingenieurbüro Duschl.

 

Zahlen, Daten, Fakten:

Die geschätzte Lebensdauer der kompletten Anlage wird auf rund 40 Jahre geschätzt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 2 Mio. Euro. Der Freistaat Bayern förderte die Anlage mit knapp 715.000 Euro für die innovative Energietechnologie. Den Planberechnungen zufolge amortisieren sich die Kosten in weniger als 15 Jahren.

 

Mustergültig haben die Techniker des RoMed Klinikums mit dem ausführenden Ingenieurbüro Duschl zusammengearbeitet. Im Rahmen eines Informationstages standen nunmehr die Spezialisten beider Unternehmen in der Eingangshalle des RoMed Klinikums den interessierten Besuchern Rede und Antwort. Gerhard Neugebauer, Leiter Gebäudeleittechnik und Energiemanagement am RoMed Klinikum Rosenheim, führte zahlreiche Besucher zum Pumpenhaus und erklärte ausführlich die Zusammenhänge des umweltfreundlichen Verfahrens. Angenehm überrascht äußerte sich eine Besucherin, dass es im Pumpenhaus erstaunlich leise zugeht, obwohl die Anlage auf vollen Touren läuft. „Das Pumpenhaus ist praktisch emissionsfrei“, sagte daraufhin Gerhard Neugebauer ganz stolz mit einem Augenzwinkern.

 

schematische Darstellung der technischen und baulichen Umsetzung

Kontakt

RoMed Kliniken
Kliniken der Stadt und des Landkreises Rosenheim GmbH
Pettenkoferstraße 10
83022 Rosenheim

Tel  +49 (0) 8031 - 365 02
Fax +49 (0) 8031 - 365 4911

Öffentlichkeitsarbeit

Elisabeth Siebeneicher, Leitung
Tel  +49 (0) 8031 - 365 3007
Fax +49 (0) 8031 - 365 4959

Lauretta Kölbl-Klein
Tel  +49 (0) 8031 - 365 3009
Fax +49 (0) 8031 - 365 4959