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Kompetenz und Zuwendung
unter vier Dächern

RoMed Klinik Bad Aibling

Künftig keine Geburtshilfe mehr in Bad Aibling

Die Geschäftsführung der RoMed Kliniken hat dem Aufsichtsrat in der Sitzung vom 30. November vorgeschlagen, die belegärztliche Geburtshilfe an der RoMed Klinik Bad Aibling endgültig zu schließen.

Zunächst trugen Peter Lenz, Geschäftsführer der RoMed Kliniken und Dr. Guido Pfeiffer, Ärztlicher Direktor der RoMed Klinik Bad Aibling, in der Sitzung einen aktuellen Sachstandsbericht vor. Darin betonten sie, dass die RoMed Klinik Bad Aibling für die wohnortnahe Versorgung ein sehr kompetenter und wichtiger Partner für die Bevölkerung sei. Die Klinik hätte sich gut entwickelt - auch im gesamten RoMed-Verbund - und würde strukturell wie baulich weiterentwickelt.

Zum Verständnis für die Problematik in der Geburtshilfe wurde das Belegarztsystem detailliert erläutert. Damit es funktioniert, müssen drei Voraussetzungen als tragende Säulen bei der Geburtshilfe sichergestellt sein: ein geburtshilflicher ärztlicher Bereitschaftsdienst an 365 Tagen im Jahr, Hebammen, die rund um die Uhr Dienste abdecken und Kinderärzte mit neonatologischer Zusatzqualifikation, die in Form eines Rufbereitschaftsdienstes 24 Stunden täglich zur Verfügung stehen. Doch alle drei Säulen sind ins Wanken gekommen.

Aus Altersgründen verringerte sich die Anzahl der Belegärzte in der Geburtshilfe, Nachwuchskräfte ließen sich nicht finden. Hebammen wurden aus verschiedensten Gründen (Familie, Wegzug) immer weniger. Für die Kinderärzte gilt das Gleiche wie für die Gynäkologen – altersbedingter Schwund und mangelnder Nachwuchs. Diese Veränderungen folgen einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Wandel: Die Bereitschaft von hochqualifiziertem Fachpersonal, rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen, hat extrem abgenommen. Somit gibt es bei allen drei Versorgungsäulen derzeit nicht lösbare Engpässe, die jedoch für eine qualitativ hochwertige Geburtshilfe absolut notwendig sind. „Wir können keine bundesweiten Probleme vor Ort lösen“, resümierte Dr. Guido Pfeiffer, Ärztlicher Direktor der RoMed Klinik Bad Aibling.

Eine funktionierende Versorgung für den geburtshilflichen ärztlichen Bereich wäre insofern nur durch eine Hauptfachabteilung möglich. Dafür werden mindestens sechs bis neun Ärzte benötigt, davon mindestens vier qualifizierte Fachärzte. Das RoMed Klinikum Rosenheim verfügt in der Geburtshilfe über insgesamt  23 Ärzte und die Klinik Wasserburg über acht Ärzte. Neu geschaffene Stellen in Rosenheim können derzeit aus Bewerbermangel nur schwer besetzt werden. Selbst wenn sich Ärzte für Bad Aibling finden würden, bestünde der Hebammenmangel weiter und die kinderärztliche Versorgung wäre offen. „Ein äußerst bedauerlicher und letztlich notwendiger Schritt. Nach eingehender Analyse lassen sich die offenen Problemfelder für eine qualitativ hochwertige Geburtshilfe in Bad Aibling leider nicht lösen“, bedauert Peter Lenz, Geschäftsführer der RoMed Kliniken.

Aus diesen Gründen hält es die Geschäftsführung für sachgerecht, das Thema Geburtshilfe in Bad Aibling zu beenden, um die Energien zum einen in die Stabilisierung und Zusammenarbeit der beiden bestehenden geburtshilflichen Standorte in Rosenheim und Wasserburg zu stecken und zum anderen, um in die Weiterentwicklung und den Ausbau des Standortes in Bad Aibling zu fördern. So gibt es Zusagen vom Kreistag und dem Gesundheitsministerium für einen Ersatzneubau mit drei OP-Sälen sowie einer Zentralsterilisation und die Verlegung der Intensivstation direkt neben OP und Aufwachraum. „Wir investieren enorm in den Standort Bad Aibling“, bekräftigte Landrat Wolfgang Berthaler am Rande der Sitzung.

Die Leistungszahlen der letzten fünf Jahre belegen die hohe Akzeptanz des Standorts bei der Bevölkerung und bei den niedergelassenen Ärzten. Den Standort Bad Aibling zeichnet eine gut gelungene Kombination von Grund- und Regelversorgung mit einem darüber hinausgehenden spezialisierten Leistungsangebot aus. Hierzu gehört die Spezialisierung in der Adipositas-Chirurgie genauso wie die Schaffung eines Hernienzentrums. Bad Aibling ist der Standort, an dem im RoMed Verbund die meisten Leistenbrüche („Hernien“) operiert werden. Genauso hat man frühzeitig innerhalb der Unfallchirurgie das Thema Alterstraumatologie erkannt und weiter ausgebaut. Außergewöhnlich für einen Standort mit 140 Betten ist die Vorhaltung einer HNO-Hauptfachabteilung, an der auch Tumor-HNO-Chirurgie und Innenohr-Implantologie betrieben werden. Das sind alles gute Voraussetzungen, die auch weiterhin eine hohe Akzeptanz für die Klinik Bad Aibling schaffen und Weiterentwicklungen ermöglichen.

 

Hintergrundinformationen: 

Für die Geburtshilfe werden hohe Qualitätsstandards gefordert, da bei Komplikationen meistens zwei Patienten (Mutter und Kind) gefährdet sind. Zu den Qualitätsstandards gehören gut ausgebildete Hebammen und Ärzte, sowie eine im Notfall schnell zur Verfügung stehende kinderärztlich-neonatologische Versorgung.

 

Haftpflichtproblematik:

Kindliche Geburtsschäden führen mittlerweile zu sehr hohen Regressbeträgen. Laut Angaben der deutschen Ärzteversicherung hat sich der durchschnittliche Regress bei schwerwiegenden Geburtsschäden von 65.500 € in 1998 auf 3.279.000 € in 2008 erhöht. In der Folge sind die Haftpflichtprämien für geburtshilflich tätige Gynäkologen auf derzeit im Schnitt 60.000 € angestiegen. Eine durchschnittliche Geburt ist mit ca. 250 € vergütet, d.h. ein Geburtshelfer muss ca. 240 Geburten begleiten, um seine Haftpflichtkosten egalisieren zu können.
Die Entwicklung der horrenden Haftpflichtsummen hat die Klinik in Bad Aibling veranlasst bereits 2015 mit Schreiben an Frau Staatsministerin Huml und Herrn Bundesminister Gröhe auf die Problematik aufmerksam zu machen. Bzgl. der Hebammen führte das tatsächlich zu Reaktionen (s.u.) bzgl. der Belegärzte wurde auf die ärztliche Selbstverwaltung verwiesen, die sich bisher der Problematik nicht entsprechend angenommen hat.
Für die Hebammen wurde 2015 die Haftpflichtproblematik (durchschnittliche Haftpflichtprämie 7.700 €) zum einen durch eine bessere Vergütung in Form eines Sicherstellungszuschlages  und zum anderen durch einen gesetzlichen Schutz vor Ersatzansprüchen im Versicherungsfall geregelt.

 

Entwicklung des Belegarztsystems in Deutschland:

Es gibt derzeit bundesweit nur noch zwei Versicherungen, die belegärztlich tätige Gynäkologen versichern. Die über den Berufsverband der deutschen Gynäkologen versicherten Belegärzte nahmen von 389 Ärzten in 2009 auf 90 Ärzte in 2014 ab.
Die Anzahl der belegärztlich tätigen Gynäkologen nahm von 1.500 Ärzten in 2005  auf  305 Ärzte in 2015 ab.

 

Hebammenproblematik:

Die Bundespolitik hat über einen Sicherstellungszuschlag bei den geburtshilflich tätigen Hebammen die Haftpflichtproblematik entschärft. Wenn eine Hebamme mindestens vier Geburten pro Jahr begleitet, kann sie ihre Versicherungsprämie im Durchschnitt um 2/3  senken.
In Bayern besteht die Besonderheit, dass Hebammen sowohl freiberuflich als Beleghebamme, als auch festangestellt in einer Klinik arbeiten können. Die Freiberuflichkeit ermöglicht den Hebammen neben der Tätigkeit in der Klinik in einer Praxistätigkeit Geburtsvorbereitungskurse und Begleitung von Wöchnerinnen aus zu üben. Der zeitaufwändige Bereitschaftsdienst und Rufbereitschaften in der Klinik können zu einem Konflikt zur freiberuflichen Praxistätigkeit führen. Auch in Bezug auf Work-Life-Balance entscheiden sich mehr und mehr Hebammen, insbesondere wenn sie kleine Kinder zu versorgen haben, gegen die Kliniktätigkeit.

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