Statt großem Schnitt nur kleine Stiche

Prien (re) - Die chirurgische Abteilung des Kreiskrankenhauses Prien unter der Leitung von Professor Dr. Josef Stadler setzt auf patientenschonende Verfahren: Die Ärzte bieten in zunehmendem Maß Operationen mit so genannten minimal invasiven Techniken an.
Der wesentliche Unterschied zur konventionellen Operation (OP) besteht beim minimal invasiven Operieren in der Art des Zugangs zum Ort des Geschehens. Anstelle eines größeren Schnittes, zum Beispiel durch die Bauchdecke oder Gelenkskapsel, werden nur noch kleine «Stichinzisionen» angebracht, über die dünne Hülsen und Sonden eingeführt werden. Dabei wird kein Gewebe durchtrennt, sondern nur verdrängt. Der Chirurg sieht die OP nicht mehr mit dem bloßen Auge, sondern über eine Kamera am Bildschirm.

Der eigentliche Eingriff, zum Beispiel die Entfernung einer Gallenblase, erfolgt aber in den selben Schritten wie früher bei der konventionellen offenen OP. Hierfür ist ein erheblicher zusätzlicher technischer Aufwand an Geräten und Instrumenten erforderlich.

Für die Patienten beinhaltet das minimal invasive Operieren folgende Vorteile: deutlich weniger Schmerzen, weitaus weniger Beeinträchtigung der umgebenden Organe und Strukturen und dadurch raschere Erholung von dem Eingriff, einen deutlich kürzeren Krankenhausaufenthalt, die raschere Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und einen erheblichen kosmetischen Vorteil (die kleinen Stichinzisionen sind in der Regel kaum zu sehen).

An erster Stelle sind bei den Einsatzmöglichkeiten der minimal invasiven Verfahren die OPs der Gallenblase zu nennen. Auch ein großer Teil der Blinddarm- OPs, der Lösung von Verwachsungen und ein Teil der operativen Versorgung von Eingeweidebrüchen kann auf diese Weise vorgenommen werden.

Durch den technischen Fortschritt hat sich die minimal invasive Chirurgie auch auf die Operationen am Magen und Darm ausdehnen können. Dies betrifft überwiegend gutartige Erkrankungen wie die operative Beseitigung von Sodbrennen oder die Entfernung von Darmabschnitten bei entzündlichen Erkrankungen. In diesen Fällen wirkt sich die enge Zusammenarbeit mit der internistischen Abteilung positiv aus.

Auch in der Unfallchirurgie spielen die minimal invasiven Verfahren eine zunehmend wichtige Rolle, an erster Stelle bei den Möglichkeiten der Arthroskopie, also der Gelenkspiegelung. Seit Jahren sind bereits viele Eingriffe am Kniegelenk als arthroskopische Operationen etabliert. Beispielhaft sind Meniskus-OPs und der Ersatz von Kreuzbändern zu nennen. In letzter Zeit hat sich dieses Verfahren aber auch bei anderen Gelenken, insbesondere beim Schultergelenk, bewährt.