Das Leprosenhaus am Hammerbach im 16. Jahrhundert
Das Leprosenhaus am Hammerbach im 16. Jahrhundert

Entwicklung des Klinikums in Rosenheim

Im 16. Jahrhundert errichtete die Marktgemeinde Rosenheim am Hammerbach ein Leprosenheim, eine Pflegestätte für arme kranke Leute. Ein wesentlicher Fortschritt war 1813 die Gründung einer Krankenanstallt an der Heilig-Geist-Straße. Ab 1862 nahmen die Schwestern der Franziskanerinnen aus Mallersdorf die Pflegearbeit auf. 1871 wurden dort 305 Kranke umsorgt.
Das Krankenhaus an der Ellmaierstraße um 1875
Das Krankenhaus an der Ellmaierstraße um 1875
Im Jahr 1873 wurde an der Ellmaierstraße ein Krankenhaus mit 60 Betten errichtet. Die Einweihung und Inbetriebnahme dieses Baus erfolgte nach zweijähriger Bauzeit im Jahre 1875.
Wirtschaftsgebäude um 1890
Wirtschaftsgebäude um 1890
Bald schon wurde dieses jedoch zu klein, weil die Scheu vor den Krankenhäusern allmählich wich und aus dem Spital als Armenhaus das Krankenhaus als Wohlfahrtseinrichtung wurde.
Das Krankenhaus nach der Erweiterung 1927/28
Das Krankenhaus nach der Erweiterung 1927/28
Das Krankenhaus war durch Jahre hindurch ständig überbelegt und genügte auch bald nicht mehr den neu erworbenenen medizintechnischen und hygienischen Anforderungen. 1914 wurde ein Vorprojekt zu einer Erweiterung erstellt, welche infolge des Kriegsausbruchs nicht mehr zur Ausführung kam. Der 1. Weltkrieg mit seinen Folgeerscheinungen machte diese Erweiterung notwendiger als je zuvor. Diese wurde dann auch 1926 mit einer Überarbeitung der Pläne von 1914 in Angriff genommen. 1927 konnte dann mit den Baumaßnahmen und der grundlegenden Renovierung des Altbaues begonnen werden. War der erste Bau noch mit einem Kostenaufwand von 90.000 Gulden bewältigt worden, so wurden für die damaligen Aufwendungen 1 Million Reichsmark veranschlagt.
Der erste aseptische Operationssaal
Der erste aseptische Operationssaal
Vieles, was uns heutigen Menschen ganz alltäglich erscheint, war damals revolutionäre und unerhörte Neuerung. Lassen wir doch einmal in Auszügen die Festschrift zur Einweihung von 1928 zu Wort kommen:

"Bei beiden im II. Obergeschoß untergebrachten Operationssälen, der septische 37 qm groß und der aseptische 40 qm groß, wurde den Grundsätzen der Hygiene besondere Sorgfalt gewidmet. Dieselben sind mit modernsten Einrichtungen ausgestattet und ein neuer Operationstisch ermöglicht jede für Operationen notwendige Stellung...." 
Die erste Zentralsterilisation
Die erste Zentralsterilisation
"Zwischen beiden Operationssälen befindet sich der Sterilisationsraum, der mit einer an die Dampfheizung angeschlossenen Sterilisationseinrichtung für Instrumente und Verbandsstoffe, einem Kochsalzapparat und einem Wärmeschrank für Wäsche ausgestattet ist. Außerdem sind zwei Instrumentenschränke aus Glas mit  ernickelten Rahmen in die Wand eingebaut, die zugleich von den Operationasräumen  zugänglich sind...."
Das erste Röntgengerät
Das erste Röntgengerät
"Die Röntgenabteilung (!) ist gegenüber dem septischen Operationssaal untergebracht. Im Röntgenzimmer, dessen Fenster und Türen mit Abdunklungs-Vorrichtungen versehen sind, ist aufgestellt: ein Universal-Röntgenapparat "Heliopan" mit rotierendem Hochspannungsgleichrichter . Ferner ein Universalstativ für Röntgenaufnahmen und Durchleuchtungen, sowie eine Buckyblende. Ein weiterer fahrbarer Röntgenapparat ermöglicht Aufnahmen in jedem Krankenzimmer...."
Das Kesselhaus im Wirtschaftsbau
Das Kesselhaus im Wirtschaftsbau
"Die Heizung und Warmwasserbereitung der Anstalt im Untergeschoß des Nebengebäudes ist nach wärmeökonomischen Grundsätzen durchgeführt und zentralisiert nach dem System der Niederdruckdampfheizung. Die Heizung ist für Sommer- und Winterheizung eingerichtet. Die ganze Anlage ist mit den neuesten und modernsten Apparaten ausgestattet und für einen Betriebsdruck von 0,3 Atm. eingerichtet, um die erforderlichen Dampfmengen für die umfangreiche Warmwasserbereitung für die Warmwasserheizung und Bäder, sowie Dampf für die Dampfbäder, Dampfkochküche, Speisewärmer und Sterilisationsanlage liefern zu können."
Die erste Groß-Waschmaschine
Die erste Groß-Waschmaschine
"Im Nebengebäude, woselbst sich auch die Wäscherei befindet, ist im Dachgeschoß die Bügelstube, welche zugleich den Wäschevorrat enthält, mit elektrischem Bügeleisen und einer Muldenmangel mit Absaugevorrichtung..."
Baustelle des neuen Krankenhauses - 1963
Baustelle des neuen Krankenhauses - 1963
"Zur Erleichterung des Krankentransportes zwischen den medizinisch technischen Einrichtungen und den Krankenabteilungen ist ein elektrisch betriebener Kranken- und Bettenaufzug mit Druckknopfsteuerung und sechs Haltestellen eingebaut." Auch Lichtsignal- und Haustelefon gehörten zu den Neuerungen. Beleuchtungen und sanitäre Anlagen mit eigener Abwasserklärung wurden installiert. Ferner gehörten noch umfangreiche Gemüsegärten und ein Hühnerhof, welche von den bis 1990 hier lebenden und arbeitenden Ordensfrauen, den Mallersdorfer Schwestern betreut wurden.

Im zweiten Weltkrieg wurde aus dem städtischen Krankenhaus ein Reservelazarett. Aber es reichte nicht aus, die unübersehbar große Zahl von Verwundeten aufzunehmen. 1940 mußte dazu auch noch das Schulgebäude an der Loretowiese herangezogen werden, das damalige Mädchenlyzeum , im Volksmund auch "höhere Töchterschule" genannt.War es nur als Provisorium eingerichtet worden, so diente es doch 27 Jahre lang als Krankenhaus. Dieses Loreto-Krankenhaus wurde 1968 aufgelöst und dient seit dem wieder als Gymnasium.

Schon 1949 reichte die Erweiterung von 1927 bei weitem nicht mehr aus und so wurde ein weiterer Ausbau in Angriff genommen. Erst 1961 wurde jedoch der erste Spatenstich getan. Es dauerte nocheinmal bis 1968, bis der Umbau und die Erweiterung zu einem vorläufigen Ende kam.

In der Geschichte des Neubaues taucht ein Name immer wieder auf: Dr. Albert Steinbeißer. Das neue Rosenheimer Krankenhaus war zuvorderst seine Idee und seine Verwirklichung ist vor allem sein Verdienst. Trug man sich zuerst noch mit dem Gedanken an einen kompletten Umzug des Krankenhauses in freiwerdende Bundesgrenzschutzkasernen oder an eine Erweiterung des Loretokrankenhauses, so entschloß man sich nach einigem hin und her doch zu einer Erweiterung durch Neubau und Aufstockung des bestehenden Krankenhauses.
Baustelle im Innenhof um 1965
Baustelle im Innenhof um 1965
Begonnen wurde damals mit Personalwohnungen für freie Schwestern und Ordensfrauen, um der sich damals abzeichnenden Personalnot in den Pflegeberufen entgegenzuwirken. Ausgeführt wurden desweiteren der neue Behandlungs- und Versorgungsbau, der heute Funktionsbau heißt, mit dem Eingangsbereich, Notaufnahme, den Operationssälen, der Küche und anderen funktionalen Einrichtungen.
Das alte Krankenhaus wurde durch Umbau und Erweiterung zum Bettenhaus IV. Zwischen dem Bettenhaus IV und dem Behandlungs- und Versorgungsbau wurde das neue Bettenhaus III als Verbindungsbau errichtet. Desweiteren wurden das Bettenhaus I und II errichtet, welche unter sich miteinander verbunden sind und sich auch an den Funktionsbau anschliessen.
H.H. Kardinal Julius Döpfner bei der Weihe der Krankenhauskirche
H.H. Kardinal Julius Döpfner bei der Weihe der Krankenhauskirche
Über die Weihe der Krankenhauskirche durch H.H. Kardinal Julius Döpfner am 21. März 1968 schrieb das OVB u. a.: Kardinal Erzbischof Julius Döpfner hielt den ersten Gottesdienst. Zur musikalischen Gestaltung hatte Professor Fritz Kernich eine eigene Komposition geschaffen, die von der Schola der Pfarrei St. Nikolaus, den Schwesternschülerinnen sowie den Gläubigen gemeinsam gesungen wurde. In seiner Predigt ging der Erzbischof von jener Stelle der Heiligen Schrift aus, die besagt, daß Christus Kranke durch Handauflegung heilte. Den Menschen aber, die ihn suchten, um geheilt zu werden sagte er, daß er nicht als Wundertäter gekommen sei, sondern um die frohe Botschaft zu verkünden. Er habe damit herausgestellt, daß über der Heilung das Heil stehe.

Alle, die im Krankenhaus tätig sind, ermahnte der Kardinal, ihren Dienst als Vollzug jener Liebe zu erkennen, die Gott uns entgegenbringe, indem er sagte: "Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Gerade dort, wo der Mensch seine Hilfsbedürftigkeit zeige, sei die Liebe besonders angerufen.
Das Isolierhaus bei der Eröffnung 1967
Das Isolierhaus bei der Eröffnung 1967

Als separates Gebäude östlich des Hammerbaches ist das Isolierhaus errichtet worden. Dieses ist durch einen Verbindungsgang an das Bettenhaus IV angeschlossen. Unter der Auffahrt zum Haupteingang des Krankenhauses ist der Therapiebunker eingerichtet worden. In diesem ist die Strahlentherapie und die Nuklearmedizin untergebracht.

Das neue Krankenhaus bei der Einweihung 1968
Das neue Krankenhaus bei der Einweihung 1968
Die Bauweise entspricht den Auflagen des Strahlenschutzes, daher auch die Bezeichnung "Bunker". Ferner kamen eine Krankenpflegeschule im Anschluß an das eingangs schon erwähnte Personalwohnheim zur Ausführung. Auch der alte Wirtschaftsbau ist im Zuge dieser groß angelegten Erweiterung aufgestockt worden. Die Gesamtinbetriebnahme erfolgte am 01.03.1968.
Die erste "elektronische" Überwachung auf der Intensivstation
Die erste "elektronische" Überwachung auf der Intensivstation
Die erste "elektronische" Überwachung auf der Intensivstation
Die neuen Operationssäle von 1968
Die neuen Operationssäle von 1968
Die neuen Operationssäle von 1968
Säuglingsstation um 1968
Säuglingsstation um 1968
Säuglingsstation um 1968
Matratzen-Desinfektion (1968)
Matratzen-Desinfektion (1968)
Matratzen-Desinfektion (1968)
Das städtische Krankenhaus um 1978
Das städtische Krankenhaus um 1978
Das städtische Krankenhaus um 1978
Eröffnung des neuen Bettenhauses VI - 1996
Eröffnung des neuen Bettenhauses VI - 1996
Eröffnung des neuen Bettenhauses VI - 1996
Das Klinikum Rosenheim im Sommer 1997
Das Klinikum Rosenheim im Sommer 1997
Das Klinikum Rosenheim im Sommer 2006
Das Klinikum Rosenheim im Sommer 2006
Das Klinikum Rosenheim im Sommer 2006