Varikozele , Krampfadern der Hodenvenen, Skrotumvarizen, Krampfaderbruch

Unter dem medizinischen Begriff Skrotumvarize oder Varikozele versteht man eine Krampfaderbildung der Hodenvenen, die in vielen Fällen sichtbar und tastbar ist. Umgangssprachlich wird die Erkrankung auch als Krampfaderbruch bezeichnet. Bei ca. 80 - 95 Prozent der Erkrankungen handelt es sich um eine linksseitig auftretende Erweiterung des venösen Geflechts des Samenstrangs. Durch eine Minderdurchblutung des betroffenen Hodens aufgrund eines erhöhten venösen Drucks und einer Überwärmung des Hodensacks kann eine Varikozele den Hoden schädigen. Die Erkrankung beeinflusst dabei die Keimzellreifung und kann zur Zeugungsunfähigkeit führen. 10 - 20 Prozent aller Männer leiden unter einer Varikozele, bei etwa einem fünftel der Patienten findet sich eine Fruchtbarkeitsstörung. Hauptsächlich tritt die Erkrankung zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr auf. Subjektiv äußert sich eine Varikozele durch Spannungsgefühl und Ziehen im Bereich des Hodensacks. Um ein Fortschreiten der Hodenschädigung zu vermeiden, ist in bestimmten Fällen eine operative Behandlung notwendig.

Ursachen

Der Blutabfluss aus den Hoden erfolgt über die linke und rechte Hodenvene (V. testicularis). Fehlen diesen Venen die Venenklappen oder kommt es zur Schlussunfähigkeit dieser Klappen, so fließt das Blut zurück und staut sich.
Die rechte Hodenvene mündet in einem spitzen Winkel direkt in die untere Hohlvene, während die linke meist rechtwinklig in die linke Nierenvene mündet, über die das Blut dann in die untere Hohlvene gelangt. Dieser ungünstige Einflusswinkel der linken Hodenvene erklärt, weshalb es linksseitig wesentlich häufiger zu einer Blutstauung und damit zur Entwicklung einer Varikozele kommt.

Durch das sich stauende Blut baut sich ein erhöhter Druck auf die Venenwand auf. Das Gefäß dehnt sich aus, schlängelt oder verzerrt sich.

Eine Klappenschwäche kann als Folge oder in Kombination mit einer Druckerhöhung auftreten. Seltenere Varianten sind die Ausbildung einer Varikozele über eine Druckerhöhung und/oder Klappenschwäche im Bereich der Samenleitervene oder anderen verbundenen Venen.

Als sekundäre Varikozele bezeichnet man eine Varikozele, die aufgrund einer anderen Erkrankung entsteht. Solche Erkrankungen können beispielsweise sein: ein Tumor, der auf die Vene drückt und sie so verschließt, eine Thrombose in den nachgeschalteten Venen, die zu einer Abflussbehinderung führt, oder ein Leistenbruch, durch den die Vene abgedrückt wird.

Symptome

Viele Patienten sind symptomfrei und begeben sich aufgrund unerfüllten Kinderwunsches in urologische Behandlung. Bei der eingehenden Untersuchung wird dann häufig die Erkrankung diagnostiziert. Als klinische Symptome imponieren ein Schwere- oder Spannungsgefühl im Bereich des Hodensacks und eine zunehmende Schwellung besonders im Stehen. Ebenso kann ein ziehender Schmerz im Hodenbereich empfunden werden. Ist die Erkrankung schon mit bloßem Auge sichtbar, zeigen sich die erweiterten Venen als "regenwurmartige" Veränderungen im Hodensack.

Diagnostik

Nach der Erhebung der Krankenvorgeschichte erfolgt eine klinische Untersuchung der Hoden. Eine Inspektion und Tastuntersuchung wird zuerst in aufrechter und nachfolgend in liegender Körperhaltung durchgeführt. Bei einer Varikozele nimmt die Venenfüllung nach dem Wechsel vom Stehen zum Liegen ab und bei einem Pressdruckversuch (Atem anhalten und Pressen wie beim Stuhlgang) zu. Weiterhin achtet der Arzt auf die Größe der Hoden und die Druckempfindlichkeit. Anschließend erfolgt eine Ultraschall- oder Doppler-Ultraschalluntersuchung, welche die erweiterten Venen nachweisen kann. Gleichzeitig kann durch diese Untersuchung der Blutfluss und das Hodenvolumen ermittelt werden. Die Untersuchungsmethode dient ebenfalls dem Ausschluss tumorartiger Raumforderungen, die ebenfalls zu einer Varikozele führen können. Sollten sich bei diesen Untersuchungen Hinweise auf eine Varikozele ergeben, wird eine Phlebographie veranlasst. Dies ist eine Röntgenkontrastuntersuchung, wodurch die Vene in ihrem gesamten Verlauf dargestellt werden kann.

Zur Beurteilung einer eventuellen Hodenschädigung durch die Varikozele erfolgt eine Hormonbestimmung im Blut. Weiterhin ist die Untersuchung des Spermas angezeigt. Durch ein so genanntes Spermiogramm lässt sich die Spermienzahl, Spermienbeweglichkeit und -gestalt sowie der Aufbau der Spermien begutachten.

Differentialdiagnostisch werden ein Leistenbruch, eine Hydrozele (Wasserbruch) und eine Hodendrehung ausgeschlossen.

Auswirkungen

Normalerweise beträgt die Hodentemperatur 35° C. Sie ist somit um zwei Grad niedriger als die Körpertemperatur. Bei Patienten mit einer Varikozele kommt es zu einem Temperaturanstieg im Hoden. Daraus resultiert eine Überwärmung der Hoden, welche die Keimzellreifung beeinflusst und beeinträchtigt. Gleichzeitig entsteht durch den erhöhten Druck bei venösen Abflussstörungen eine Minderdurchblutung des Hodengewebes, und ein Rückfluss von Nebennierenhormonen wird begünstigt. Diese Faktoren führen zu einer Beeinträchtigung der Dichte, der Beweglichkeit und der Qualität der Spermien. Häufig werden dabei zu wenige, zu unbewegliche und abnorm geformte Spermien produziert. Weiterhin kann durch die Erkrankung das Hodenvolumen abnehmen. Als Folge dessen ist die Fruchtbarkeit des Mannes deutlich eingeschränkt. Bei etwa 15 - 40 Prozent der Männer, die wegen Unfruchtbarkeit in die ärztliche Sprechstunde kamen, konnte eine Varikozele nachgewiesen werden.

Therapie

Ob und unter welchen Umständen die Behandlung einer Varikozele angezeigt ist, wird kontrovers diskutiert. Der Arbeitskreis Andrologie (Männerheilkunde) der Deutschen Gesellschaft für Urologie gibt dazu folgende Empfehlungen: Eine Behandlung einer Varikozele sollte unbedingt erfolgen bei einem schlechten Spermiogramm, bei einer großen kindlichen Varikozele und bei kleiner kindlicher Varikozele, wenn gleichzeitig ein zu kleiner Hoden vorliegt.
Bei normalem Spermiogramm und bei Fehlen reifer, beweglicher Spermien (Azoospermie) hingegen sollten Varikozelen nicht behandelt werden.
Um ein Fortschreiten der Hodenschädigung mit nachfolgender Unfruchtbarkeit zu vermeiden, ist die frühzeitige operative Sanierung dieser Veränderungen notwendig. Es existieren zur Zeit zahlreiche operative Methoden, die im Prinzip alle den venösen Rückstrom des Hodenvenengeflechts unterbrechen. Diese Eingriffe können teilweise durch eine Bauchspiegelung vorgenommen werden. Nutzen und Risiko einer Operation sind immer sorgsam abzuwägen. Ebenso ist ein erneutes Auftreten einer Varikozele nach einem operativen Eingriff möglich und zu berücksichtigen. Am häufigsten wird mittlerweile eine Verödung der Vene (Sklerosierung) durchgeführt. Dabei wird unter Röntgenkontrolle ein Mittel in die entsprechende Vene gespritzt, die diese verödet. Vorteile dieser Technik sind die ambulante Durchführbarkeit und das fehlende Risiko einer Vollnarkose. Die Behandlung kann im Rahmen der diagnostischen Phlebographie (Venenuntersuchung) vorgenommen werden.

Welche Komplikationen können auftreten?

Die Druckerhöhung und krampfaderartige Aussackung des Venenkomplexes im Hoden kann zu einer Schädigung des umliegenden Gewebes führen.

Unbehandelte Varikozelen sind häufig die Ursache männlicher Unfruchtbarkeit. In manchen Fällen kann eine Therapie der Varikozele die Fruchtbarkeit verbessern.

Prophylaxe

Bisher stehen keine speziellen Prophylaxemaßnahmen zur Verfügung. Trotzdem ist es erwähnenswert, dass mittlerweile jede sechste Ehe oder Partnerschaft ungewollt kinderlos bleibt, wobei in etwa 30 - 40 Prozent der Fälle eine alleinige männliche Unfruchtbarkeit vorliegt und in nur etwa 10 - 20 Prozent der Fälle die Ursache bei beiden Partnern zu suchen ist. Der Mann ist dabei als "Kofaktor" an der Kinderlosigkeit mitbeteiligt. Es leiden somit 1,5 Millionen Paare unter ungewollter Kinderlosigkeit. Aufgrund der einfachen und gering eingreifenden Untersuchungsmöglichkeiten sollte beim Mann mit der Abklärung der Ursache begonnen werden. Man spricht von Sterilität oder Infertilität, wenn trotz regelmäßigem Geschlechtsverkehr (ohne Verhütungsmittel) nach einem Jahr keine Schwangerschaft eingetreten ist. In nicht wenigen Fällen verläuft eine Varikozele absolut symptomfrei und ist nur durch die urologische Abklärung erkennbar und nachfolgend behandelbar.