Ursache und Ausdehnung von Erkrankungen am Hoden und Nebenhoden werden manchmal durch eine Operation abgeklärt...

Häufig lassen sich Ursache und Ausdehnung krankhafter Veränderungen im Bereich des Hodens/Nebenhodens und/oder Hodensacks erst durch eine Operation abklären:

Es besteht u.a. die Möglichkeit
  • einer Verdrehung von Hoden und Samenstrang oder der kleinen Anhangsgebilde des Hodens
  • einer Entzündung von Hoden (Orchitis) und/oder Nebenhoden
  • einer Verletzung
  • einer Hodengeschwulst (selten).
Hodengeschwülste (Hodentumore) treten in allen Altersgruppen auf. Besonders häufig betroffen sind Männer im Alter zwischen 18 und 36 Jahren. Meist handelt es sich um bösartige Tumore, d.h. um Gewebe, das sich im Körper unkontrolliert vermehrt, ausbreitet und dadurch gesundes Gewebe verdrängt. Dies kann zum Tod führen.

Meist breitet sich eine bösartige Hodengeschwulst über das lymphatische Gewebe entlang des Samenstranges bis in die Lymphknoten neben der Hauptschlagader und der unteren Hohlvene aus (vgl. Abb. 1). Eine Ausbreitung ist aber auch über Blutgefäße oder direkt in den Hodensack und in die Leistenregion möglich.

Die Operation

In Narkose, Regionalanästhesie oder in örtlicher Betäubung wird von einem Schnitt im Hodensack oder in der Leiste der betroffene Hoden samt Hodenhüllen freigelegt. Das weitere Vorgehen richtet sich nach dem vorliegenden Befund.

Hodentorsion

Ist die Hodenverdrehung erst wenige Stunden alt oder sind nur die kleinen Anhangsgebilde verdreht, kann der Hoden in der Regel erhalten werden. Der Hoden wird in die richtige Lage gebracht und an der Innenseite des Hodensacks fixiert (Orchidopexie). Da die Ursache für die Verdrehung auf einer anlagebedingten übermäßigen Beweglichkeit beider Hoden beruht, wird meist auch gleich der Hoden auf der Gegenseite fixiert. Besteht die Hodentorsion länger, kann das Hodengewebe durch eine Abschnürung der Blutgefäße so stark geschädigt sein, dass der Hoden entfernt werden muss (Orchiektomie).

Entzündung

Ist eine Entzündung Ursache der Beschwerden, so kann häufig der Hoden und Nebenhoden belassen und eine medikamentöse Behandlung eingeleitet werden; in manchen Fällen reicht es aus, nur den Nebenhoden zu entfernen (Epididymektomie). Ist die Entzündung weiter fortgeschritten, muss manchmal auch der Hoden oder zusätzlich ein Stück des Hodensacks entfernt werden.

Verletzung

Meist genügt es, einen Bluterguss im Hodensack auszuräumen oder einen Einriss in der Hodenhülle zu verschließen. Bei einer schweren Verletzung kann es sehr selten notwendig sein, den Hoden teilweise oder ganz zu entfernen.

Geschwulst

Ergibt sich während der Operation der Verdacht einer Geschwulsterkrankung, wird meist zunächst eine Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung aus dem erkrankten Hoden entnommen (Biopsie).

Handelt es sich nach dem klinischen Befund bzw. nach dem Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung um eine bösartige Geschwulst und liegt dieses Ergebnis bereits während der Operation vor, wird noch im selben Eingriff der betroffene Hoden samt Nebenhoden und Samenstrang bis zur Leiste entfernt.

Liegt das Ergebnis während der Operation noch nicht vor und ist der klinische Befund nicht eindeutig, so wird sie nach der Gewebeentnahme beendet und falls sich das Gewebe als bösartig erweist, der Hoden samt Nebenhoden und Samenstrang möglichst bald in einer zweiten Operation entfernt.

Die Weiterbehandlung nach der Entfernung des Hodens richtet sich nach dem endgültigen Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung des beim Eingriff entnommenen Gewebes, das meist einige Tage nach der Operation vorliegt. Die Entscheidung über weitere Maßnahmen wird dann im Einvernehmen mit Ihnen/Ihrem Sohn getroffen. Je nach Gewebetyp (Seminom, nicht-Seminom) und nach der Ausbreitung der Tumorerkrankung, kommen eine zusätzliche Operation im Bereich des Bauchraumes, eine Bestrahlung und/oder eine Chemotherapie in Frage, über die Sie von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin gesondert aufgeklärt werden.

Ergibt sich bei den Untersuchungen, dass es sich um einen gutartigen Tumor handelt, kann der Hoden/Nebenhoden meist erhalten werden; ggf. ist auch eine Teilentfernung möglich.

Mögliche Eingriffsänderungen und -erweiterungen

Über das endgültige Vorgehen und das Ausmaß des operativen Eingriffes kann oft erst während der Operation entschieden werden. Manchmal wird bei Verletzungen und gutartigen Erkrankungen versucht, den Hoden/Nebenhoden auch bei einer stärkeren Schädigung zu erhalten, um abzuwarten, ob sich das Gewebe erholt. Ist dies nicht der Fall, kann ein Zweiteingriff zur Hodenentfernung erforderlich werden. Ist in seltenen Fällen ein Tumor in den Hodensack oder in andere Organe/Strukturen eingewachsen, müssen auch diese teilweise oder ganz entfernt werden.

Bitte erteilen Sie Ihre Einwilligung in notwendige oder sinnvolle Erweiterungen oder Änderungen des vorgesehenen Eingriffs schon jetzt, damit diese im selben Betäubungsverfahren durchgeführt werden können und ein erneuter Eingriff vermieden wird. Auf ausdrücklichen Patientenwunsch kann nach einer Hodenentfernung eine Hodenprothese aus Kunststoff während des Ersteingriffs oder später in einem zweiten Eingriff eingesetzt werden.

Folgen des Eingriffs

Musste ein Hoden und/oder Nebenhoden entfernt werden, bleiben die Zeugungsfähigkeit (Fruchtbarkeit) und die Fähigkeit, Geschlechtsverkehr auszuüben, meist erhalten, wenn der andere Hoden gesund ist. Auch bei einer Hodenteilentfernung kann der betroffene Resthoden funktionsunfähig werden. Müssen beide Hoden und/oder Nebenhoden entfernt werden oder ist der verbleibende Hoden schwer geschädigt, so lässt sich die Produktion des männlichen Sexualhormons durch die Zuführung von Hormonpräparaten ersetzen (Substitutionsbehandlung). Auch bei der Entfernung beider Hoden und/oder Nebenhoden bleibt die Erektionsfähigkeit in der Regel erhalten, die Zeugungsfähigkeit geht dagegen verloren. Falls Kinderwunsch besteht, sprechen Sie bitte mit Ihren Ärzten vor dem Eingriff über die Möglichkeit, Samenflüssigkeit einzufrieren.

Welche Komplikationen können auftreten?
Sehr selten werden der andere Hoden/Nebenhoden, Samenleiter, Blutgefäße und/oder Nerven verletzt. Nachblutungen und Entzündungen im Operationsbereich klingen meist unter örtlicher und medikamentöser Behandlung ab. Weichteilschwellungen und Wundheilungsstörungen lassen sich nicht mit Sicherheit ausschließen; Blutergüsse sind selten.

Selten kommt es durch die Unterbindung der im Samenstrang verlaufenden Nerven oder durch Narbenzug zu schmerzhaften Nervenreizungen (Neuralgien).

Alle diese Komplikationen können in Einzelfällen eine Erweiterung der Operation, eine Nachoperation und/oder eine länger dauernde Nachbehandlung erfordern. Bei sehr seltenen, größeren Blutverlusten kann eine Bluttransfusion notwendig werden.

Lagerungsschäden (Druckschäden an Nerven oder Weichteilen mit Empfindlichkeitsstörungen und selten Lähmungen der Gliedmaßen) sowie Haut- und Gewebeschäden durch Kriechströme, Hitze (z. B. Wärmematten) und/oder Desinfektionsmittel bilden sich meist von selbst zurück. Sie können in Einzelfällen aber auch eine langwierige Behandlung erfordern. Nicht immer gelingt eine vollständige Wiederherstellung der Nervenfunktion und es können dauerhafte Narben zurückbleiben.

Wie nach jedem operativen Eingriff können sich Blutgerinnsel in den großen Venen bilden (Thrombose), die u. U. verschleppt werden und ein Blutgefäß verschließen (Embolie) . Als vorbeugende Maßnahme kommt u.a. die Gabe gerinnungshemmender Mittel (z.B. die Injektion von Heparin) in Betracht, die allerdings die Blutungsneigung erhöht und zu einer schwerwiegenden Störung der Blutgerinnung führen kann.

Bei Allergie oder Überempfindlichkeit (z.B. auf Medikamente, Desinfektionsmittel, Latex) können vorübergehend Schwellung, Juckreiz, Niesen, Hautausschlag, Schwindel oder Erbrechen und ähnliche leichtere Reaktionen auftreten. Schwerwiegende Komplikationen im Bereich lebenswichtiger Funktionen (Herz, Kreislauf, Atmung, Nieren) und bleibende Schäden (z.B. Organversagen, Lähmungen) sind sehr selten.

Falls Vor- oder Begleiterkrankungen (z.B. an Herz, Kreislauf, Lunge, Leber oder Blutgerinnungsstörungen) Ihr Eingriffsrisiko erhöhen, wird Ihr Arzt/Ihre Ärztin auch darüber mit Ihnen sprechen.

Mögliche Neben- und Folgeeingriffe
Auch vorbereitende, begleitende oder nachfolgende Maßnahmen sind nicht völlig frei von Risiken. So können z.B. Infusionen oder Injektionen gelegentlich örtliche Gewebeschäden (Spritzenabszesse, Nekrosen und/oder Venenreizungen/ -entzündungen) sowie vorübergehende, sehr selten auch bleibende Nervenschädigungen (Schmerzen, Lähmungen) verursachen.

Trotz aller Sorgfalt, mit der Fremdblutkonserven, Plasmaderivate und andere Blutprodukte hergestellt werden, lässt sich bei ihrer Übertragung/Anwendung eine Infektion, z.B. sehr selten mit Hepatitis-Viren (Leberentzündung) und extrem selten mit HIV (AIDS) sowie evtl. auch mit den Erregern von BSE bzw. der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung, nicht sicher ausschließen.

Bitte fragen Sie Ihren Arzt/Ihre Ärztin, wenn Sie weitere Informationen wünschen.

Behandlungserfolg und Nachsorge bei Geschwulsterkrankungen
Die Langzeitaussichten unterscheiden sich je nach Zustand bei Entdeckung des Tumors. Bei frühzeitiger Operation sind die Heilungsaussichten heute sehr günstig. Es ist daher wichtig, so früh wie möglich zu operieren.

Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird das weitere Behandlungskonzept, insbesondere die Planung eines Folgeeingriffs zur Entfernung von Lymphknoten aus dem hinteren Bauchraum (Lymphadenektomie), und zusätzliche Behandlungsmaßnahmen (z.B. Bestrahlung, Chemotherapie) sowie die Nachsorge mit Ihnen besprechen. Die Entscheidung wird nach endgültiger Feststellung des Gewebetyps (Seminom, Nicht-Seminom) durch die feingewebliche Untersuchung getroffen. Bitte nehmen Sie regelmäßig die ärztlich empfohlenen Nachsorgeuntersuchungen wahr.

Bitte unbedingt beachten!

Vor dem Eingriff
Der Operateur entscheidet, ob und wann blutgerinnungshemmende Medikamente (z.B. Marcumar®, Aspirin®) unter Kontrolle des behandelnden Arztes abgesetzt bzw. durch ein anderes Medikament ersetzt werden müssen.

Nach dem Eingriff
  • mindestens einen Tag lang Bettruhe einhalten
  • Hoden für etwa 8 Tage durch engsitzende Unterwäsche oder einen Hodensackhalter (Suspensorium) stützen
  • mindestens 2 Tage lang nicht duschen
  • 14 Tage lang körperliche Anstrengung vermeiden und keinen Sport treiben
  • bitte den Termin für die Kontrolluntersuchung einhalten
Wird der Eingriff ambulant durchgeführt, müssen Sie sich von einer erwachsenen Begleitperson abholen lassen, da Ihr Reaktionsvermögen durch Betäubungs- und/oder Schmerzmittel noch eingeschränkt sein kann. Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird Ihnen mitteilen, wann Sie wieder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen oder an laufenden Maschinen arbeiten können. Sie sollten in dieser Zeit auch keinen Alkohol trinken und keine wichtigen Entscheidungen treffen.

Sind spezielle Schonungsmaßnahmen erforderlich oder Verhaltensregeln zu beachten, wird Ihr Arzt/Ihre Ärztin diese mit Ihnen besprechen. Halten Sie die Anweisung dann bitte unbedingt ein.

Informieren Sie bei Fieber, Schmerzen oder Schwellung des Hodens bitte sofort die Ärztin/den Arzt, auch wenn diese Beschwerden erst einige Tage nach dem Eingriff auftreten!