Operationen an der Vorhaut (Vorhautbeschneidung bei Vorhautverengung, Phimose)

Was geschieht bei der Beschneidung?

Bei der Beschneidung wird ein beweglicher Hautlappen, der die Eichel des männlichen Gliedes umschließt (Vorhaut), ganz oder teilweise in einem kleinen operativen Eingriff entfernt. Dieser Eingriff kann sowohl in lokaler Betäubung als auch in Vollnarkose durchgeführt werden.

Phimose (Vorhautverengung)
Bei der Geburt liegt bei ca. 90 % der Jungen eine Vorhautverengung (Phimose) vor, d.h. die Vorhaut lässt sich nicht zurückziehen. Meistens verwächst sich dies, jedoch leider nicht immer, dann muss die Vorhautverengung operativ korrigiert werden. Grundsätzlich ist es möglich, eine Beschneidung (Zirkumzision) durchzuführen oder die Vorhaut zu erweitern (Triple Incision), dann bleibt sie erhalten.

Während der Operation werden - sofern notwendig - Verklebungen der Vorhaut mit der Eichel oder ein zu kurzes Frenulum (Vorhautbändchen) in jedem Fall zusätzlich korrigiert.
  • Zirkumzision (Beschneidung, d.h. Entfernung der Vorhaut)
  • Triple Incision
    (Vorhauterweiterung, d.h. die Vorhaut bleibt erhalten und lässt sich nach ca. 10 Tagen problemlos zurückziehen)

Beschneidung aus traditionellen/religiösen Gründen

In vielen Kulturen ist die Beschneidung des Mannes ein fester Bestandteil ihres Lebens. Im alten Ägypten war die Beschneidung der Männer Tradition und diese Tatsache ist anhand umfangreichen Bildmaterials gesichert. Im Judentum kommt der Beschneidung hauptsächlich eine religiöse Bedeutung zu. Am Tag der Beschneidung, dem 8. Tag nach der Geburt, feiert man ein großes Fest. Die Beschneidung wird hier oft von einem so genannten Mohel, einem Beschneidungsspezialisten, durchgeführt. Im Islam liegen ursprünglich eher traditionelle Gründe für die Beschneidung zugrunde. Diese wird im Koran nicht erwähnt, ist aber als sog. „ Sunna“ (überlieferte Norm, Handlungsanweisung) in der Geschichte des Islam zu einer imperativen, religiösen Forderung gewachsen. Die Jungen werden im Alter zwischen 7 und 14 Jahren beschnitten. Mit der Ausbreitung des Islams wird auch auf dem afrikanischen Kontinent die Beschneidung mehr und mehr durchgeführt. Auch in den USA findet die Beschneidung sehr häufig aus Traditions- und Sauberkeitsgründen statt.
 


Beschneidung aus medizinischen Gründen

Bei der Entscheidung, ob eine Beschneidung bei Kindern durchgeführt werden soll, spielt das Alter eine entscheidende Rolle. Im frühen Säuglings- und Kindesalter ist die Verklebung der Vorhaut ein Normalbefund (physiologisch). Bis nach Abschluss des ersten Lebensjahres kann die Vorhaut in etwa der Hälfte der Fälle zurückgeschoben werden. Nach dem 3. Lebensjahr steigt diese Rate bis auf 90 %, bei 16- bis 17-jährigen Jugendlichen sogar bis 99 % an.

Medizinische Gründe für eine frühzeitig durchzuführenden Eingriff können sein:

  • Immer wiederkehrende Entzündungen.
  • Bildung eines „Ballons“ an der Vorhaut beim Wasserlassen.
  • Immer wiederkehrende Entzündungen der ableitenden Harnwege und wenn keine andere Ursache dafür gefunden werden kann.

Weitere Gründe, die eine Beschneidung erforderlich machen können:

  • Die Vorhaut kann beim versteiften Glied nicht oder nur teilweise zurückgezogen werden.
  • Die Versteifung des Gliedes kann durch die verengte Vorhaut zu Schmerzen führen.
  • Beim Wasserlassen kann der Harnstrahl durch die verengte Vorhaut abgeschwächt oder verdreht sein.
  • Es kann sich beim Wasserlassen ein „Ballon“ an der Vorhaut bilden.
  • Harnverhalt – Es kann überhaupt kein Wasser mehr gelassen werden (selten).
  • Nach dauerndem Zurückstreifen der Vorhaut über die Eichel zeigt sich ein Schnürring (so genannter „Spanischer Kragen“ oder Paraphimose).

Ist eine Beschneidung für die Gesundheit von Vorteil?

Einen gewissen Vorteil bietet die nach der Beschneidung einfacher durchzuführende Reinigung des Gliedes. Weitere Gründe, die angegeben werden, sind die Verringerung der Gefahr von Entzündungen der ableitenden Harnwege, von durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Krankheiten und Hautkrankheiten. Laut einer australischen Untersuchung erkranken beschnittene Männer viel seltener an einem Peniskrebs als Unbeschnittene.

Welche Formen der Beschneidung gibt es?

Je nach Befund und den Wünschen der Betroffenen kommen folgende Operationsverfahren in Betracht: 
  • Beschneidung durch vollständige Abtragung der Vorhaut.
  • Unvollständige Beschneidung. Hierbei bleibt ein Teil der Vorhaut erhalten.
  • Plastibellmethode. Die Beschneidung erfolgt durch Abschnürung auf einer Kunststoff-Glocke. Der abgeschnürte Vorhautrest fällt nach 8 bis 10 Tagen ab. Dieser Eingriff kann jedoch nicht in allen Fällen durchgeführt werden.
  • Erweiterungsplastik. Die Vorhaut wird durch diese Technik nicht wesentlich gekürzt, lediglich die Öffnung der Vorhaut wird erweitert.

Ist die Beschneidung mit Gefahren verbunden?

Wie bei jedem ärztlichen Eingriff kann es auch bei einem durch den Urologen durchgeführten Eingriff an der Vorhaut zu unerwarteten Schwierigkeiten kommen. Meistens sind diese Komplikationen harmlos und sprechen gut auf eine Behandlung an.

Mögliche Komplikationen können sein:
  • Allergische Reaktionen auf z. B. Betäubungsmittel
  • Schmerzen
  • Nachblutungen
  • Schwellungen im Operationsbereich
  • Erneute Vorhautverengung durch Schrumpfung des Gewebes
  • Verletzung der Eichel u.a.

Häufig gestellte Fragen:

Bei Erwachsenen: Welche Untersuchungen werden vor dem Eingriff durchgeführt?
Laboruntersuchungen, Blutgerinnungsstatus, eventuell ein Elektrokardiogramm (EKG)

Gibt es nach dem Eingriff starke Schmerzen?
In der Regel sind die Schmerzen erträglich. Bei Bedarf können leichte Schmerzmittel eingenommen werden. Kindern können schmerzstillende Zäpfchen verabreicht werden.

Gibt es Vor- und Nachteile?
Aus medizinischer Sicht gibt es bislang keinen hinreichend gesicherten Grund, eines der beiden Verfahren vorzuziehen. Neben beispielsweise religiösen und traditionellen Überlegungen kann daher Ihr persönliches Ästhetikempfinden entscheiden, welches Verfahren Sie bzw. Ihr Kind vorziehen wollen.

Gibt es Operationsrisiken?
Natürlich möchten wir Sie auch über mögliche Operationsrisiken aufklären, die alle äußerst selten sind, aber zur vollständigen Operationsaufklärung gehören:

Allgemeine Risiken
  •   Blutungen, Bluterguss
  • Infektionen, Abszessbildung, Wundheilungsstörung
Spezielle Risiken
  •  Verletzung benachbarter Organe (Harnröhre, Schwellkörper, Eichel)
  • Extrem selten: Harnröhrenfistel (Verbindung der Harnröhre nach außen)
  • Nach einer Vorhauterweiterung kann es - wenn auch äußerst selten - z.B. bei wiederholten Entzündungen erneut zu einer Verengung der Vorhaut kommen.
Was sollte man nach einer Operation beachten?
Folgende Ratschläge wollen wir Ihnen zusätzlich geben, um einen komplikationslosen Verlauf nach einer Operation und ein optimales Operationsergebnis sicher zu stellen:

  • Nach einer Vorhauterweiterung sollte die anfangs meist geschwollene Vorhaut erst dann zurückgezogen werden, wenn die Schwellung rückläufig ist, d.h. frühestens nach ca. 7 Tagen.
  • Bitte vereinbaren Sie Termine bei Ihrem Kinderarzt / Urologen, um regelmäßige Wundkontrollen durchführen zu lassen.
  • Die während der Operation verwendeten Fäden müssen nicht entfernt werden, sie lösen sich auf und fallen von selbst ab.
  • Selbstverständlich muss die frische Wunde möglichst sauber gehalten werden, daher vermeiden Sie bitte, dass Ihr Kind in den ersten Tagen nach der Operation mit lockerer Kleidung z.B. im Sandkasten spielt.
  • In den ersten Wochen nach der Operation sollte Ihr Kind nicht ausgiebig baden; Duschen ist selbstverständlich ab dem 4. Tag nach der Operation erlaubt.
  • Um ein Verkleben der frischen Wunde mit der Unterwäsche zu vermeiden, empfehlen wir Ihnen das regelmäßige Auftragen von Wundsalbe (z.B. Bepanthen oder Dexpanthenol) und evtl. Kompressen.
  • Eine enge Unterhose vermeidet das Verrutschen des Verbandes. Bitte denken Sie daran, diese bereits in die Klinik mitzubringen.
  • Um ein mögliches Nachbluten zu vermeiden, möchten wir Sie bitten, darauf zu achten, dass sich Ihr Kind in den ersten Tagen möglichst schont, d.h. zum Beispiel möglichst wenig springt und läuft, insbesondere Fahrrad fahren ist zu vermeiden. Ein Verhalten "wie bei einer Grippe" wäre wünschenswert.
Alle diese aufgezählten Risiken sollten Ihnen nicht zu viel Furcht einflößen, denn üblicherweise ist die Korrektur der Vorhautverengung unproblematisch. Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.