Peniskrebs

Der Penistumor ist eine seltene Erkrankung und nur für etwa 0,4-0,6% aller bösartigen Erkrankungen in Europa und den USA verantwortlich. In Deutschland beträgt die Rate an Neuerkrankungen 0,8 bezogen auf 100000 Einwohner pro Jahr. Das vorwiegende Erkrankungsalter ist das 6. und 7. Lebensjahrzehnt, nur ca. 15-20% sind jünger als 40 Jahre.

Im Gegensatz zu dem seltenen Vorkommen in den USA und Europa, liegt die Rate in den Entwicklungsländern Südamerikas, Asiens und Afrikas wesentlich höher. Dies liegt vor allem an mangelnder Hygiene, häufig unbehandelter Vorhautverengung mit einhergehender chronischer Entzündung und einer höheren Durchseuchung mit bestimmten HP-Viren (humane Papillomaviren).

Die häufigsten Lokalisationen des Penistumors sind die Eichel (48%) und die Vorhaut (21%). Dabei reichen die Symptome von flachen rötlichen Hautveränderungen bis zu blumekohlähnlichen Wucherungen, welche sich über die gesamte Oberfläche der Eichel und Vorhaut ausbreiten können.

Obwohl die Symptome oftmals bereits im Frühstadium erkennbar sind, nehmen viele Männer  aus Scham, Angst, Ignoranz und Verdrängung ärztliche Hilfe häufig erst sehr spät in Anspruch. Liegt der Verdacht auf einen Penistumor vor, steht die körperliche Untersuchung im Vordergrund der Diagnostik. Gesichert wird die Diagnose durch eine Probeentnahme aus dem Tumor. Für den Patienten bedeutet die Diagnose Penistumor eine große Belastung, da neben der Angst vor der Krankheit selbst die Besorgnis einer für ihn verstümmelnden Operation hinzukommt.

Ziel der Therapie ist die komplette operative Entfernung des Tumors. Abhängig von Lokalisation, Größe und Tiefenausdehnung des Peniskarzinoms reicht die Therapie von einer organerhaltenden Ausschneidung des Tumors bis hin zur Penisteilamputation oder Amputation mit Bildung eines neuen Harnröhrenausgangs. Alternativ kann in ausgewählten Fällen auch eine Strahlentherapie durchgeführt werden. Bei kleinen, nicht infiltrativ wachsenden Tumoren können wir an unserer Klinik auch eine Lasertherapie anbieten.

Nach Entfernung des Primärtumors wird, in Abhängigkeit von der Ausdehnung und des Aggressivitätsgrades, eine operative Entfernung der Leistenlymphknoten evtl. mit Entfernung von Beckenlymphknoten durchgeführt.

Nach durchgeführter Primärtherapie muss eine engmaschige Nachsorge durch den betreuenden Urologen erfolgen.

Symptome

Patienten mit Tumoren am Penis suchen häufig erst sehr spät einen Urologen auf. Die Gründe hierfür sind zum einen Schamgefühl, Angst oder Ignoranz, zum anderen aber auch die Tatsache, dass sich der Tumor oftmals unter einer Vorhautverengung unbemerkt entwickelt. Die Vorhautverengung stellt einen der beiden wichtigsten Risikofaktoren für die Entwicklung eines Peniskarzinoms dar. Eine dadurch bedingte mangelnde Genitalhygiene und der Verhalt von talgartigen Absonderungen der Vorhautdrüsen (Smegma) führt zu chronischen  Entzündungen an Vorhaut und Eichel, was der Entwicklung eines Tumors Vorschub leistet. Als zweiter wichtiger Risikofaktor gilt eine Infektion mit bestimmten HP-Viren (humane Papillomaviren).

Die  Entwicklung eines Penistumors erfolgt über mehrere Zwischenstufen/Vorstufen, welche man als sog. Präkanzerosen bezeichnet. Die Einzelnen Vorstufen haben ein unterschiedlich hohes Entartungsrisiko und unterschiedliche Erscheinungsbilder; diese gehen von leicht erhabenen rötlichen Hautveränderungen, weißlichen Belägen oder geschwürartigen Veränderungen bis zu blumenkohlartigen Wucherungen. Eine verstärkte Hornbildung kann vorkommen, ebenso kann ein blutiger oder eitriger Belag auftreten. Bei einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung kann es zu einer Lymphknotenschwellung (Lymphknotenmetastasen) im Leistenbereich sowie zu einer Gewichtsabnahme kommen. Peniskarzinome sind in der Regel nicht schmerzhaft.

Präkanzerosen mit hohem Entartungsrisiko:
  • Erythroplasie Queyrat
  • Morbus Bowen
  • Balanitis xerotica obliterans
  • Präkanzerosen mit niedrigem Entartungsrisiko:
  • Hyperkeratose mit Hornbildung
  • Buschke-Löwensteintumor
  • Leukoplakie
Schamgefühl bei Erkrankungen des Penis ist mehr als verständlich, es ist aber von entscheidender Bedeutung, dass jede Hautveränderung am Penis umgehend von einem Urologen begutachtet wird. Nur bei frühzeitiger Diagnose und Behandlung besteht die Chance auf Heilung.

Diagnostik

Als erster und wichtigster Schritt in der Diagnostik des Penistumors steht die klinische Untersuchung mit Inspektion und Palpation (Abtasten) der Hautveränderungen und der Leistenlymphknoten. Bei ausreichender Erfahrung des Untersuchers kann damit frühzeitig der Verdacht auf einen Tumor oder eine seiner Vorstufen gestellt werden. Da es allerdings auch bei gutartigen Erkrankungen des Penis oder sexuell übertragbaren Infektionskrankheiten zu ähnlichen Symptomen kommen kann, ist eine feingewebliche Untersuchung durch Entnahme einer Gewebeprobe aus dem verdächtigen Areal unabdingbar. Dabei kann auch eine Untersuchung auf humane Papillomaviren erfolgen. Nur so kann die Diagnose gesichert und eine adäquate Therapie eingeleitet werden. Koplettiert wird die präoperative Diagnostik durch eine Ultraschalluntersuchung des Penis sowie eine Kernspintomographie (Computertomographie) des Beckens. Optional kann zusätzlich auch der Tumormarker SCC (Squamous Cell Carcinoma Antigen) bestimmt werden.

Therapie

Die Therapie des Penistumors ist im Wesentlichen abhängig von seiner Größe, der Ausdehnung (d. h. Infiltrationstiefe) und dessen Aggressivitätsgrades.

Bei den meisten sog. Präkanzerosen und kleinen, wenig aggressiven Karzinomen, welche oberflächlich wachsen und noch nicht die Schwellkörper infiltrieren, kann die Beschneidung und eine lokale Ausschneidung des Tumors ausreichend sein. Alternativ kann in einigen Fällen auch eine Bestrahlung oder eine Lasertherapie, welche an unserer Klinik ebenfalls durchgeführt wird, eingesetzt werden.

Handelt es sich um größere Tumore, welche bereits in den Schwellkörper oder in die Harnröhre eingewachsen sind, muss in der Regel eine Teilamputation des Penis (sog. Teilpenektomie) mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand durchgeführt werden.

Bei sehr großen Tumoren und solchen, die sich nahe an der Peniswurzel befinden, muss eine komplette Amputation des Penis durchgeführt werden (sog. Penektomie). Die Miktion erfolgt dann über einen neu gebildeten Harnröhrenausgang am Damm (sog. Urethrostomie).

Bei der Erstdiagnose eines Penistumors sind bereits bei 20 - 40% der Patienten histologisch Tumorzellabsiedelungen in den Leistenlymphknoten nachzuweisen. Die Leistenlymphknoten sind die erste Station im Metastasierungsweg der Tumorzellen. Deshalb schließt sich in der Regel an die Primärtherapie der Tumorentfernung eine operative Entfernung der Leistenlymphknoten beidseits an. Nach internationalem Standard wird bei Tumorbefall von mehr als zwei Leistenlymphknoten eine zusätzliche Entfernung der Beckenlymphknoten angestrebt.

Für den Patienten bedeutet die Diagnose Penistumor und eine eventuell verstümmelnde operative Therapie natürlich eine große Belastung, so dass wir versuchen, wann immer möglich, eine organerhaltende Operation durchzuführen. Allerdings besteht nur bei einer kompletten Entfernung des Tumors eine Chance auf Heilung. 

Nachsorge

Für Ihren weiteren Krankheitsverlauf ist die regelmäßige Nachsorge von besonderer Bedeutung. Diese erfolgt in der Regel durch Ihren betreuenden Urologen.

Sinn der Nachsorge ist, wie bei jedem anderen Tumor auch,  zum einen ein Tumorrezidiv, zum anderen therapiebedingte Komplikationen  rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Die Tumornachsorge besteht im Wesentlichen aus einer regelmäßigen körperlichen Untersuchung. Bei Patienten, deren Lymphknoten mit Tumorzellen befallen waren, wird die körperliche Untersuchung in der Regel durch bildgebende Verfahren (Computertomographie, Röntgendiagnostik) ergänzt.