Wasserbruch / Hydrozele / Spermatozele

Ein Wasserbruch (Hydrozele oder Spermatozele) muss in der Regel operiert werden...
Man unterscheidet zwischen einer Flüssigkeitsansammlung, ein so genannter Wasserbruch,
  • in den Hodenhüllen (Hydrozele, vgl. Abb.1a) oder
  • am Nebenhoden (Spermatozele, vgl. Abb.1b).
Die Hydrozele des Hodens, auch "Wasserbruch" genannt, ist eine übermäßige Flüssigkeitsansammlung im Hodensack. Diese Flüssigkeitsansammlung kann verschiedene Ursachen haben:

Hydrozele - Ursachen

Vor oder direkt nach der Geburt steigen die Hoden von der Bauchhöhle in den Hodensack hinab. Sie werden dabei durch einen Teil des Bauchfells in den Hodensack hineingedrückt. Dieses Stück des Bauchfells bildet danach einen kleinen Spaltraum, der sich zum Bauchfell hin verschließt. Meist geschieht dies schon vor der Geburt, manchmal auch erst zum ersten Lebensjahr.


Angeborene Hydrozele
Tritt dieser Verschluss (Obliteration) nicht vollständig ein, kann sich Flüssigkeit im Spaltraum ansammeln und der Hodensack schwillt an. Sie tritt ein- oder beidseitig auf und verschwindet meist spontan in den ersten drei bis vier Lebensmonaten. Im schlimmsten Fall bleibt der Verschluss komplett aus und es bildet sich eine Bruchpforte für Darmschlingen. In diesem Fall handelt es sich um ein anderes Krankheitsbild, eine indirekte Leistenhernie.


Erworbene Hydrozele
Entsteht beim Erwachsenen eine Hydrozele, ist die Bauchfellspalte im Bereich der Leiste zwar verschlossen. Es gibt jedoch ein Missverhältnis zwischen der Bildung der - normalerweise geringen - Menge an Flüssigkeit zwischen den Hodenhüllen und deren Wiederaufnahme (Resorption). Die Hydrozele kann ohne erkennbaren Grund entstehen oder als Folge einer weiteren Erkrankung des Hodens (Begleithydrozele) auftreten, zum Beispiel bei Entzündungen, Tumoren oder Hodenverdrehungen. Auch nach einer Leistenbruchoperation kann es als Komplikation zu einer Hydrozele kommen.

Symptome

Meist bemerken Sie oder die Eltern eines Jungen eine ein- oder beidseitige Anschwellung des Hodens. Die Schwellung kann mehr oder weniger stark ausgeprägt sein.

Diagnose

Der Arzt kann die Hydrozele mit seinen Fingern ertasten. Mit einer kleinen Taschenlampe wird der Hodensack durchleuchtet. So lässt sich herauszufinden, ob Flüssigkeit die Schwellung verursacht oder ein Leistenbruch bzw. Krampfaderbruch im Hoden (Varikozele) vorliegt. Bei Leistenbrüchen kann der Arzt mit einem Stethoskop oft Darmgeräusche im Bereich der Schwellung wahrnehmen.

Bei großen Hydrozelen ist es nicht immer möglich, den Hoden gut zu ertasten oder zu durchleuchten. Deshalb wird bei einem Verdacht auf eine Hydrozele zusätzlich ein bildgebendes Verfahren eingesetzt. Beispiele sind ein hochauflösender Ultraschall oder ggf. die Magnetresonanztomographie.

Sollte bei einem Kind die Hydrozele über das erste Lebenshalbjahr hinaus fortbestehen, kann eine Operation nötig sein. Vor allem bei größeren Hydrozelen im Vorschulalter ist eine Operation aus kosmetischen Gründen oder bei Beschwerden beim Sitzen und Gehen sinnvoll.

Eine Punktion mit einer Nadel sollte auf Grund des Infektionsrisikos nicht durchgeführt werden.

Therapie

Wie behandelt man eine kindliche Hydrozele?
Bei Neugeborenen, die keine Symptome und Beschwerden haben, wartet man mit einem Eingriff in der Regel ab, da sich in den ersten Lebensmonaten die noch offene Bauchfellspalte meistens von selbst schließt.

 Bleibt der Befund über das erste Lebensjahr hinaus bestehen, wird man die offene Verbindung operativ schließen. Dazu muss ein Schnitt in der Leiste gemacht, der offene Processus vaginalis (Bauchfellspalte) freigelegt und in Richtung Bauchfell verschlossen werden.

Bei Komplikationen muss ebenfalls frühzeitig operativ therapiert werden.

Wie behandelt man die Hydrozele des Erwachsenen?
Die Operation
Die Hydrozele oder Spermatozele eines Erwachsenen kann vom Hodensack aus operiert werden. Hierbei werden die Hodenhüllen eröffnet, um die Flüssigkeit zu entfernen.

Hydrozele:
Die Hodenhüllen werden eröffnet. Dann werden die Hodenhüllen nach hinten umgeschlagen und entfernt oder gerafft. Die Entfernung der Hodenhüllen bringt keinen Nachteil mit sich.

Spermatozele:
Die im Bereich des Nebenhodens liegende Spermatozele wird ausgeschält.

Welche Komplikationen können auftreten?

Das Risiko bei der Operation besteht hauptsächlich in einer möglichen Blutung oder Schwellung, vor allem wenn Entzündungen oder Punktionen vorausgegangenen sind. Selten kommt es zum erneuten Auftreten von Hydrozelen. Meist erfolgt die Operation ambulant. Selten ist ein Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich. Zu Hause sollte man sich schonen und den Hoden noch einige Tage hoch lagern, um Schwellungen zu vermeiden.

Bitte unbedingt beachten!

Vor dem Eingriff
Der Operateur entscheidet, ob und wann blutgerinnungshemmende Medikamente (z. B. Marcumar®, Aspirin®) unter Kontrolle des behandelnden Arztes abgesetzt bzw. ersetzt werden müssen.

Nach dem Eingriff
Wird der Eingriff ambulant durchgeführt, müssen Sie/Ihr Kind sich von einer erwachsenen Begleitperson abholen lassen, da Ihr Reaktionsvermögen durch Betäubungs- und/oder Schmerzmittel noch eingeschränkt sein kann. Ihr Arzt/Ihre Ärztin wird Ihnen mitteilen, wann Sie wieder aktiv am Straßenverkehr teilnehmen oder an laufenden Maschinen arbeiten können. Sie sollten in dieser Zeit auch keinen Alkohol trinken und keine wichtigen Entscheidungen treffen.

Nach etwa 14 Tagen lösen sich die selbstauflösenden Fäden.

Bei Schmerzen oder Fieber (über 38 º C), Schwellungen, zunehmender Rötung und Schmerzhaftigkeit des Hodensackes, bei Störungen beim Wasserlassen bitte sofort die Ärztin/den Arzt informieren, auch wenn diese Beschwerden erst einige Tage nach dem Eingriff auftreten!