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MyRoMed Story, 28.10.2020

Statt Tupfer und Maske plötzlich Mikro und Kamera

In unserer Sommerausgabe RoMed Aktuelles freuten wir uns, Mike Steidls Buchpublikation von „Weil es ohne uns nicht geht“ anzukündigen. Seit August ist es im Fachhandel und online erhältlich und steht mittlerweile auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste für Charakterbiographien von Feuerwehr und Rettungsdienst. Wir waren also sehr gespannt zu hören, welche Erfahrungen unser Kollege aus der Zentralen Notaufnahme als Autor sammeln konnte und wie es ihm als „Medienstar“ bei Interviews für Fernsehen, Radio und Zeitung sowie im Sozialen Netzwerk ergangen ist.

Wie war es so für Dich persönlich während des Buchprojektes? Hattest Du manchmal Zweifel, ob das alles klappt? Wie lange ging das Projekt?
Das Projekt entstand ja aus einem Zufall heraus. Bei meiner Tätigkeit in der Notaufnahme lernte ich die Ehefrau meines Mitautors Fabian Marcher als Patientin kennen und kam mit ihr während der Behandlung ins Gespräch. Dabei erzählte sie, dass sie und ihr Ehemann als freie Autoren arbeiten. Wie es so kommt, sprach ich augenzwinkernd und ohne Bedacht aus: “Da hätte ich einige aufregende und buchfüllende Geschichten aus meinem Berufsleben zu erzählen!“ Die „Strafe“ folgte auf den Fuß: Wenige Zeit später kontaktierte mich Fabian und die Dinge nahmen ihren Lauf. Über den Zeitraum von eineinhalb Jahren, angefangen im März 2019, entstand so ein Erfahrungsbericht aus Sicht eines Pflegers und aus der eines Laien.

Zunächst hatten wir uns zu Hause am Küchentisch getroffen und ich erzählte ihm meine Erlebnisse aus der Notaufnahme. Doch dabei stellten wir schnell fest, dass das zu nüchtern und neutral ist und es ihm schwerfällt, sich in unseren Berufsalltag hineinzuversetzen. Wie willst du etwas beschreiben, wenn du es nicht gesehen und miterlebt hast?  Aber genau das wollten wir ja unserer Leserschaft vermitteln. Damit Fabian die Atmosphäre am Arbeitsplatz besser spüren konnte und auch allmählich wusste, wovon ich zum Beispiel beim Monitoring, EKG-Schreiben oder der Schockraumvorbereitung spreche, musste er mit in die Notaufnahme gehen. In Abstimmung mit der Geschäftsleitung, Pflegedirektion sowie unserem Chefarzt Dr. Bayeff-Filloff und meinem Team konnte mir mein Kompagnon während einer mehrwöchigen Hospitation in der ZNA als „Schatten“ mit seinem schwarzen Notizbuch folgen und wurde alsbald ein Teil unseres Teams. 

Das Thema Corona wird im Buch in Auszügen behandelt. War dadurch das Projekt gefährdet oder verzögert?
Mit unserem Projekt starteten wir schon letztes Jahr im März. Um dem Buch den letzten Feinschliff zu geben, traf ich mich Ende Februar mit Fabian und seiner Frau in Lazise, wo die beiden die Wintermonate verbringen. Das war bereits der Zeitpunkt, als sich die Pandemie auch in Italien rasant ausbreitete, und wir realisierten, dass wir kein Buch über die Notaufnahme schreiben können, in dem nicht auch Corona seinen Platz finden würde. Der Verlag räumte uns daraufhin zusätzliche eineinhalb Monate mehr bis zum Abgabedatum ein. Wieder zu Hause an meinem Arbeitsplatz tauschte ich mich täglich mit Fabian, der den italienischen Lockdown vor Ort miterlebte, aus. Bei seinen Erzählungen, wie beispielsweise über die Lastwagen-Abtransporte der vielen Toten, kamen uns bei den Vorbereitungsmaßnahmen im Krankenhaus schon Zweifel, ob sie ausreichen würden, um die Patientenversorgung gut in den Griff zu bekommen.
Unser Buchprojekt wurde durch Corona also nicht gefährdet. Im Gegenteil, ich denke, dass genau diese Erfahrungsberichte das Lesen besonders spannend machen. 

Fabian als „Praktikanten“ Einblicke in Deine Arbeit zu gewähren, wie war das für Dich, Fabian und das Team?
Es war total einfach, weil Fabian nie im Weg umging. Er war wie ein Schatten und hat sich dezent im Hintergrund gehalten. Auch als ich ihn meinem Team vorstellte und erklärte, dass er nicht nur mich jetzt eine Zeitlang begleitet, sondern sich ebenso an die Sichtung setzt, Kollegen bei deren Arbeit über die Schulter schaut und mit ihnen auch Interviews führt, war die Resonanz immer positiv. Eigentlich war es für alle ein Selbstläufer, denn wer uns Pflegende, die täglich mit Schülern, Praktikanten und Azubis zu tun haben, kennt, weiß, dass wir jedem Fremden gegenüber offen sind. Fabian hat sich bei uns sehr wohl gefühlt. Als er sich nach seinem letzten Herbstfest-Nachtdienst verabschiedete, meinte er auf dem Nachhauseweg: „So Mike, das war´s jetzt. Nun verlasse ich wieder den „Kosmos Notaufnahme“. Zwar mit einem lachenden Auge, weil der Schichtdienst wegfällt, der für mich als freier Autor schon eine große Umstellung war, aber auch mit einem weinenden Auge. Die äußerst spannende Erfahrung mit euch möchte ich nicht missen und du wirst mir mit deinem Team sicher fehlen.“ 

Wie erlebst Du die mediale Aufmerksamkeit bezüglich der Buchpräsentation? Der Post über das Buch auf unserem Instagram-Account erreichte 873 Konten und wurde über Impressionen fast 1.300 mal wahrgenommen, 144 mal geliked und 7 mal weitergeleitet, auf Facebook erreichte der Beitrag fast 9.000 Personen, wurde 108 mal geliked und 57 mal geteilt.
Als der MDR bei uns in der Notaufnahme zu Dreharbeiten war, nahm das unsere Klinik für einen Post auf Instagram und Facebook zum Anlass. Das hat mich sehr gefreut, denn es ist ja auch eine Art der Anerkennung und Wertschätzung, die man damit als Mitarbeiter erfährt. Dass das dann gleich so medial ging und von so vielen Menschen gesehen wurde, war der Hammer! Eine bessere Werbung kann man sich gar nicht wünschen, das muss man ganz ehrlich sagen. Ich habe dann selbst einen Instagram-Account speziell für das Buch erstellt, in dem ich zum Beispiel meine Fernsehauftritte poste oder von einer Buchhandlung, die ein Schaufenster extra für mich eingerichtet hat, berichte. 

Wie war es für Dich in TV und Radio zu sein? Eine andere Welt, oder? Du bist z. B. im Fernsehen total souverän rübergekommen. Warst Du gar nicht nervös?
Als wir unser Buchprojekt starteten, war uns klar, dass wir mit unserem Thema natürlich möglichst viele Interessierte erreichen möchten. Unsere Zielsetzung war also, unbedingt ins Fernsehen zu kommen. Und tatsächlich war es dann relativ schnell soweit: ein Auftritt im MDR-Studio Leipzig, genau zum Veröffentlichungsdatum des Buches am 6. August. Das ist schon eine sehr spannende Erfahrung, wenn du in einem professionellen Fernsehstudio zunächst im Gästezimmer betreut wirst und die Moderatorin mit dir vorab ein Gespräch führt, bei dem es auch um belanglose Dinge geht. Anschließend ziehst du dich um, kommst in die Maske und wirst in ein Aufnahmestudio mit unzähligen Scheinwerfern geführt. Dort arbeiten so zwischen zehn bis fünfzehn Personen – vom Kameramann über den Aufnahmeleiter bis hin zum Tontechniker. Das Kuriose war aber, dass, sobald das Interview begann, ich das Fernsehteam völlig ausblenden konnte. Ich saß mit der Moderatorin auf der Couch und führte ein angenehmes Gespräch. Das war wirklich unglaublich. Allerdings hatten Fabian und ich bereits bei der Hinfahrt erstaunt festgestellt, dass uns das echte Lampenfieber fehlte – wohl weil wir so glücklich waren, unser Ziel „Fernsehauftritt“ erreicht zu haben.

Meine einzige Sorge war nun, da mehrere Auftritte folgten, dass ich mir schnell ein paar neue Hemden zulegen wollte und der Haar- und Bartschnitt perfekt sein musste. Auf mein Äußeres lege ich gerne Wert. (schmunzelt und streicht sich über den Bart)

Eine ganz andere Erfahrung war die Radio-Aufzeichnung für „Neugierig nachgefragt“ vom WDR 5. Dabei hatte ich kein direktes Gegenüber, sondern saß mit Mikro und Kopfhörern in einem Rosenheimer Studio und sprach mit meinem Interviewpartner in Köln. Und für die Kultursendung auf Bayern 2 war es wiederum so, dass mich der Moderator mit seinem Aufnahmegerät in Rosenheim besuchte. Wir unterhielten uns über eine Stunde und ich war echt begeistert, mit welchem Kunstgriff es David Friedmann anschließend gelang, den Bericht auf die vorgegebenen fünf Minuten zu kürzen und dabei die Message meines Buches so exakt treffend herüberzubringen. Das war wirklich ein ganz tolles Erlebnis, dieses Interview! 

Auch in den Fernsehbeiträgen kommt sehr gut zur Geltung, dass du deinen Beruf liebst und das Positive an der Pflegearbeit vermitteln möchtest.
Ja, denn anders funktioniert es auch nicht. Ich bin überzeugt, dass man seine Arbeit nur gut ausüben kann, wenn man das tut, was man gerne macht. Sonst haut´s nicht hin. Das ist in jedem Beruf so. 

Stimmt es, dass Du nicht nur seit über 20 Jahren als Pfleger, sondern ebenso lang für die RoMed Kliniken tätig bist? Hattest Du dabei auch mal den Wunsch nach Veränderung?
Da bin ich ein echter Klinik-Dinosaurier! (lacht) Es fing 1998 mit meiner Ausbildung an, die ich hier in der Berufsfachschule für Pflege absolviert habe. Seit 2008 arbeite ich in der Zentralen Notaufnahme und ich übernahm dort 2010 die stellvertretende pflegerische Leitung. Mit RoMed verbindet mich aber noch viel mehr. Das zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben, angefangen bei meiner Geburt im Klinikum Rosenheim. Später als kleines Kind holte ich immer wieder mal mit meinem Vater meine Mutter, die im Haus in der Radiologie arbeitete, nach Dienstschluss ab. Ich habe hier meine Frau Diana, die ebenso Pflegerin ist, kennengelernt, und unsere drei Kinder kamen im Klinikum zur Welt. Auch eine schwere Erkrankung im engsten Familienkreis wurde hier erfolgreich behandelt. Das sind ja alles Meilensteine im Leben, die einen prägen.

Natürlich gibt es im Berufsalltag auch Tage, insbesondere jetzt mit Corona, an denen man sich fragt: „Was mache ich hier eigentlich?“. Wenn der Patientenansturm in der Notaufnahme nicht abreißt und man nicht weiß, wie man das alles bewältigen soll. Dann stelle ich mir manchmal vor, wie es denn jetzt zum Beispiel im Auto eines mobilen Pflegedienstes sein könnte, und dann ist mir wieder ganz schnell klar: Das wäre für mich definitiv viel zu langweilig. 

Was wünschst Du Dir, dass die Menschen „mitnehmen“, wenn sie das Buch gelesen haben?
Das Buch hat ja mehrere Aspekte, es erklärt die pflegerischen Tätigkeiten und die Notaufnahme an sich. Es erzählt von den Menschen, die dort mit Leidenschaft 365 Tage im Jahr arbeiten, um den Kranken und Verletzten zu helfen. Dass genau das wahrgenommen wird, ist mir sehr wichtig. Ich möchte, dass wir Pflegekräfte mehr Gehör und Verständnis finden, insbesondere jetzt, wo Corona allen von uns viel abverlangt. Darum haben wir unser Buch auch pauschal gehalten und nicht das Klinikum namentlich darin erwähnt. Alles kann genau so in jeder Notaufnahme geschehen. Außerdem soll das Thema Patientenverfügung, dem wir ein Kapitel gewidmet haben, mehr Aufmerksamkeit bekommen und dazu anregen, dass sich der Leser gemeinsam mit seiner Familie oder den Angehörigen damit auseinandersetzt. Und zuletzt ist es mir ein großes Anliegen, dass man beim Lesen meines Buches trotz der ganzen notwendigen Diskussion über Pflegenotstand und Arbeitsbedingungen meine Freude und Begeisterung am Pflegeberuf spürt.
 
Speziell jetzt auch in der Zentralen Notaufnahme?
Ja, klar! Vorausgesetzt man liebt die Abwechslung und Herausforderung. Frisch examinierte Absolventen, aber auch Kollegen, die bereits länger im Beruf sind, haben übrigens die Möglichkeit, die Fachweiterbildungen für Notfallpflege sowie für Anästhesie und Intensivmedizin am Akad. Institut für Gesundheits- und Sozialberufe der RoMed Kliniken abzuschließen.
Also ich für mich bin jetzt exakt da, wo ich hingehöre, und wüsste nicht, wo ich sonst arbeiten möchte. Die Notaufnahme ist für mich perfekt. Man weiß nie, was täglich auf einen zukommen wird, und wer das und die enge Teamarbeit in der ZNA mag, für den ist es absolut das Richtige! 

Vielen Dank für das interessante Gespräch und die Einblicke, die Du uns gegeben hast! Wir wünschen Dir natürlich weiterhin gute Verkaufszahlen und eine große Leserschaft. 

„Weil es ohne uns nicht geht. Akutes aus der Notaufnahme – Ein Krankenpfleger erzählt“ von Michael Steidl und Fabian Marcher ist im Verlag Eden Books erschienen und im Fach- und Online-Handel erhältlich.

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15.05.2020

Ein Problem – ein Team – eine gemeinsame Lösung!

Die Ärmelbündchen des Schutzkittels werden mit Tapes dicht abgeklebt.
Die Ärmelbündchen des Schutzkittels werden mit Tapes dicht abgeklebt.
Frau Englert, Dr. Dunker und Frau Höllriegl vor der „AOZ-Intensivstation“.
Frau Englert, Dr. Dunker und Frau Höllriegl vor der „AOZ-Intensivstation“.

Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Andreas Bauer, Stationsleiterin Jana Englert und Oberarzt Dr. Martin Dunker, Bereichsleiter der operativen Intensivstation und Sabine Höllriegl aus der Anästhesiepflege gewähren einen kleinen Einblick in ihre Arbeit, die sie die letzten Wochen ordentlich forderte.

Wir treffen uns im Ambulanten OP-Zentrum (AOZ), das aktuell zu einer Intensivstation umfunktioniert wurde. Statt ambulanten Patienten liegen dort jetzt mehrere Intensivpatienten. Die Stimmung ist gut, Anästhesiepflege und Intensivpflege arbeiten Hand in Hand. Die Kollegen scherzen über ihre Frisuren, „Wegen der Corona-Krise konnten wir nicht mehr zum Friseur und haben deshalb alle so lange Haare“. Das sagte ausgerechnet Dr. Martin Dunker, der eigentlich schon immer etwas längere Haare trägt. „Ja aber nicht so lang“, meint er. Man merkt, dass sich die Lage entspannt hat.

Rückblick
In der ersten Märzhälfte war das bei Leibe nicht so. Die Corona-Krise schwappt auf Rosenheim über. Sprunghaft steigen die Infektionszahlen an und die RoMed Kliniken schalten auf Krisenmodus um. Es gilt sich auf einen Zustrom von Patienten mit COVID-19 einzustellen. Die Experten in den täglichen Krisensitzungen entwickeln Eskalationspläne. Und so wurden auch in den Intensivbereichen Notfallpläne und Behandlungsstandards erstellt, ein Netzwerk der Landkreisintensivmediziner geschaffen, Kontakt mit Südtiroler Kollegen aufgenommen sowie Material und Gerätschaften beschafft. Die operative Intensivstation (Op-Int.), die normalerweise neun Intensivbetten mit Beatmungsgeräten und sechs Überwachungsbetten hat, wurde auf 14 Betten mit Beatmungsgeräten aufgestockt (davon ein Notbeatmungsplatz). Im AOZ wurden sechs Notfallbeatmungsplätze vorgehalten und im Aufwachraum standen fünf Plätze - ursprünglich für nicht-COVIDPatienten - zur Verfügung.

Aus der OP-Int. wird eine COVID-Intensivstation
Vom AOZ geht es zur Op-Int. im Haus 1, 2. OG. Vor dem eigentlichen Stationseingang wurde innerhalb kürzester Zeit von den Klinik-Handwerkern in Trockenbauweise eine Schleuse errichtet. Sie ist behelfsmäßig aber funktional. Der kleine Vorraum hat alles was notwendig ist. Ablage, Desinfektionsspender, Wäschewagen und Schuhständer. Aus Sicherheitsgründen wurde ein Fluchtausgang in Form einer staubdichten Plastikabtrennung angebracht. Dieser „Notausgang“ kann im Fall der Fälle einfach eingerissen werden. Hört sich spektakulär an, ist letztlich einfach eine praktische Lösung.

Vor dem Betreten der Station muss die Schutzkleidung angezogen werden und dabei ist Sorgsamkeit angesagt. OP-Schuhe anziehen, Hände desinfizieren, FFP-Maske anlegen, OP-Haube aufsetzen, Schutzkittel anlegen und hinten zubinden sowie Einmalhandschuhe anziehen und zum Schluss den Gesichtsschutz aufsetzen. „Es ist immer gut, wenn beim Anlegen der Schutzkleidung noch jemand mit dabei ist, einfach um nichts zu vergessen. So schaut man aufeinander“, erzählt Dr. Dunker und zieht ganz nebenbei das Ärmelbündchen des Schutzkittels über den Abschlussrand des Handschuhs und klebt mit einem Tape alles dicht ab und wiederholt das Ganze auf der anderen Seite „so hat jeder seine eigene Routine“.

Die Arbeit in Schutzkleidung ist anstrengend und Pausen sind in größerem Umfang erforderlich. „Eine Schicht dauert etwa 7 Stunden. An die Schutzkleidung gewöhnt man sich einigermaßen. Wir haben aber auch Kollegen, die von den Handschuhen Ekzeme bekommen und von den Masken Hautirritationen. Ein Kollege wechselte deshalb in einen anderen Bereich“, berichtet Jana Englert.

Auf der Station ist es sehr ruhig, nur die Geräusche der lebenserhaltenden Maschinen sind zu hören. Intensivpflegekräfte und Ärzte versorgen die Patienten routiniert und professionell. „Es wird schon auch mal gelacht“, erzählt Jana Englert, „und Kollegen haben selbst gebastelte Papierblumen an das Sichtglasfenster im Stationszimmer geklebt und so den Frühling auf die Station gebracht.“

Was sich so alles verändert hat, darüber berichtet Dr. Martin Dunker: „Die Op.-Int. als reiner COVID-Bereich, stellte nach der pneumologischen Intensivstation die zweite Versorgungsstufe dar. Wir haben zu Beginn kurz einen Mischbetrieb (COVID/Non-COVID) gefahren und dann in Anbetracht der vielen Patienten rasch auf eine reine COVID-Station umgestellt. Zu Spitzenzeiten wurden hier bis zu elf COVID-Patienten bzw. Verdachtsfälle versorgt, davon bis zu 100 % invasiv beatmet und teilweise sieben Patienten mit Nierenersatzverfahren behandelt. Die Versorgung der „normalen“ operativen Intensivpatienten erfolgte anfänglich im Aufwachraum. Hier wurden bis zu fünf Patienten versorgt, inkl. der Möglichkeit zur Beatmung. Was für Patienten und Mitarbeiter ein belastende Situation war, da hier die Intensivpatienten alle in einem großen Raum lagen und auch die normalen Aufwachraumpatienten versorgt werden mussten. Bei zunehmenden Notfalloperationen wurde diese Einheit ins AOZ umgezogen, wo bis zuletzt fünf bis sechs Nicht-COVID-Patienten betreut wurden. Der Aufwachraum wird nun wieder in seiner ursprünglichen Funktion genutzt.

Rückblickend war für Dr. Dunker die größte Herausforderung die Initialphase. „Als man beunruhigende Neuigkeiten und Warnungen insbesondere aus Italien erhielt, in der Bevölkerung aber noch die Meinung und Hoffnung vorherrschte, dass es nicht zur Pandemie kommen würde. Die Vorbereitungsmaßnahmen waren in dieser Phase teils zermürbend. Umso erfreulicher war die Tatsache, dass in der Folge nahezu über Nacht die Situation als Krise erfasst wurde und alle an einem Strang zogen.“

Zusammenhalt Unterstützung gab es ärztlicherseits durch drei chirurgische Kollegen. Viele anästhesiologische Kollegen und Kolleginnen, die schon lange nicht mehr oder noch nie auf Intensiv waren, wurden eingearbeitet. Insbesondere die oberärztlichen Kollegen Dres. Tim Nebelsiek und Daniel Bofinger sowie Daniela Schiffer und Kevin Ulrich aus der Anästhesiepflege haben sich um die Umstellungen im Bereich des Aufwachraums und des AOZs gekümmert und diese organisiert. Es wurde zusammen mit den Kollegen der internistischen Intensivstation Behandlungsstandards für dieses bis dato unbekannte Krankheitsbild erarbeitet, kurzfristig aktualisiert und über verschiedenste Kanäle wie Intranet, WhatsApp oder E-Mail verteilt. Die Pflegekräfte unterstützten auf der OP-Int. fünf Medizinstudenten. „Die waren alle gleichzeitig da, das war dann schon eine Herausforderung das zu koordinieren. Zumal anfangs einfach ziemlich viel zu organisieren war“, erzählt Jana Englert.

Stimmung im Team
Dr. Dunker berichtet: „Anfangs waren einige Kollegen beunruhigt und besorgt. Aber nach kurzer Zeit hat sich das Arbeiten unter den veränderten Bedingungen eingespielt. Mittlerweile ist die Stimmung aus meiner Sicht sehr gut. Alle arbeiten als Team perfekt zusammen, besonders die gute Unterstützung durch Verwaltung, Einkauf, EDV, Klinikhandwerker, Medizintechnik etc.macht die Tätigkeit hier deutlich einfacher. Die  hochkomplexen Patienten werden von vielen als Herausforderung  verstanden und angenommen. Was hier alles innerhalb kürzester Zeit möglich gemacht wurde und wie alle interkollegial und interprofessionell zusammengearbeitet haben, war und ist beeindruckend. Die Erfahrungen der letzten Wochen haben mir gezeigt, dass das Team der Op-Int. hervorragend funktioniert und in der Lage ist, auch derartig schwierige Situationen zu meistern. Das Positivste der vergangenen Wochen ist, dass aus dem Team niemand ernsthaft erkrankt ist – ich hoffe, dass dies so bleibt!

Exit
Mittlerweile sind von der OP-Int. alle COVID-Patienten verlegt worden und die Reinigungsarbeiten abgeschlossen, sodass jetzt wieder der nicht-COVID-Betrieb läuft. Dr. Bauer ist wichtig, dass sich die Bevölkerung auch weiterin an die Hygienerichtlinien und die vorgegebenen Kontaktvorschriften halten. Dr. Dunker wünscht sich für die Zukunft einen Impfstoff gegen SARSCoV2. Diesem Wunsch kann man sich nur anschließen, auch wenn es noch dauern wird.

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29.04.2020

Einer für den anderen – Gebrüder Nowak helfen gemeinsam

Auch bei der Anlieferung packen die Brüder gemeinsam an... und ein bisschen Spaß muss sein!
Auch bei der Anlieferung packen die Brüder gemeinsam an... und ein bisschen Spaß muss sein!

Eigentlich ist Dirk Nowak von Beruf Schreiner und selbständiger Restaurator für kunsthistorische Objekte, doch als er in einem Telefonat zu Beginn der Corona-Krise von seinem Bruder und RoMed Chefarzt Kai erfährt, mit welchen Schwierigkeiten der Klinikverbund bei der Beschaffung von Schutzmaterial zu kämpfen hat, ist der Allgäuer mit seinem Ideenreichtum sofort zur Stelle.

in erstes Schnittmuster für einen Behelfs-Mund-Nasen-Schutz (BMNS) hatte er bereits 2003 aus der Zeit des SARS-Virus zur Hand um sich vor der damals drohenden Ausbreitung schützen zu können.
„Da ich mich in meinem Betrieb mit Atemschutz, Arbeitssicherheitsmaßnahmen und Textilien befasse sowie gute Kontakte zu lokalen leistungsfähigen Betrieben bestehen, konnte zur Anfrage rasch ein Prototyp entwickelt werden“, erzählt der 43-Jährige. Als sogenannter „Mächler“ – einem bayerischen Alleskönner – gelang es ihm in Zusammenarbeit mit der Hemden- und Blusenfabrikation Beutel GmbH eine Großserienproduktion aufzunehmen. Doch galt es vorab auch Hindernisse zu überwinden: so musste ein geeigneter und lieferbarer Stoff gefunden werden sowie die rechtlich korrekte Deklaration des Produktes mit dem Regierungspräsidium Tübingen abgestimmt sein.

Bereits in jungen Jahren kristallisierte sich die handwerkliche Leidenschaft der Gebrüder Nowak heraus. Und so schlug Dirk eine Laufbahn zunächst als Schreiner ein, ging auf eine drei Jahre währende Wanderschaft, bildete sich zum archäologischen Restaurator weiter und gründete seinen eigenen Betrieb. Der ältere Kai wiederum wählte eine berufliche Karriere in der Medizin, um nun sein Fingerspitzengefühl als Professor der Chirurgie einzusetzen.

Zusammen sind die beiden nun nicht nur sich selbst, sondern auch anderen eine Stütze. „Für mich ist es etwas Besonderes, die Möglichkeit bekommen zu haben, in dieser Situation anderen weiterhelfen zu können“, so Dirk Nowak. „Zudem unterstützen uns bei der BMNS-Herstellung auch ehrenamtliche Personen, die derzeit aufgrund der Krise ihrer bisherigen Tätigkeit nicht nachgehen können.“

Durch die Maskenpflicht ist die Nachfrage an den hochwertigen BMNS kontinuierlich gestiegen, die Produktion läuft daher weiter auf Hochtouren.

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23.04.2020

Stopp - Zugangskontrolle!

Fiebermessen unter
Fiebermessen unter "Kollegen": Natalie Bruhn überprüft bei Wolfgang Wallner von der Arbeitssicherheit die Temperatur.

Die Ausbreitung des Corona-Virus hat vieles verändert. War es bis vor Kurzem noch völlig selbstverständlich Besuche in der Klinik zu machen, zeigt sich jetzt ein ganz anderes Bild. Im Interview berichtet Natalie Bruhn (50 Jahre), Mitarbeiterin des Sicherheitsdienstes „Oberland Security“, von ihrem Arbeitsalltag.

Seit wann sind Sie am Einsatzort Klinikum Rosenheim? Wo helfen Sie gerade und wie sieht der Tagesablauf aus?
Seit dem 3. April 2020 bin ich in der RoMed Klinik beschäftigt und arbeite zur Unterstützung der Arbeitssicherheit und Hygieneabteilung im Empfangsbereich. Mein Tagesablauf sieht so aus: Gemeinsam mit einer oder einem Kollegen vom Haus stehe ich vor dem Haupteingang bzw. im Eingangsbereich. Draußen direkt am Klinikeingang begrüßen wir die ankommenden Patienten oder Besucher. Nachdem wir abgeklärt haben, wer das Klinikum betreten darf, teilen wir den Mundschutz aus und erklären bei Bedarf die Hygienemaßnahmen. Um auszuschließen, dass möglicherweise mit dem Corona-Virus infizierte Personen das Klinikum betreten, stellen wir einige Fragen zum Befinden, nach akuten grippeähnlichen Symptomen und ob in letzter Zeit möglicherweise Kontakt zu einer bereits Covid-19 positiv getesteten Person besteht. Falls eine dieser Fragen bejaht wird, erfolgt Rücksprache mit der Stationsleitung bzw. dem zuständigen Stationsarzt, um abzuklären, ob das Klinikum betreten werden darf oder nicht. Die Kollegin oder der Kollege im Eingangsbereich misst nun bei jedem Patienten bzw. Besucher Fieber und führt dazu verschiedene Listen. Bei Werten ab 37.3 Grad halten wir Rücksprache mit der Pforte, um abzuklären, ob die Klinik betreten werden darf bzw. eine geplante Behandlung stattfinden kann. Zu meinen weiteren Aufgaben gehört auch, dass ich assistiere, wenn Angehörige Taschen mit Kleidung oder Geschenken für bereits stationär aufgenommene Patienten abgeben möchten oder Fragen haben. Des Weiteren empfehlen wir den Besuchern und Patienten auch immer, sich an den Spendern mit Desinfektionsmitteln ihre Hände zu desinfizieren.

Alle vier Stunden lösen sich meine Kolleg/-innen ab. Meistens ab Nachmittag arbeiten auch übrigens sehr nette und qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeiter bei uns. Ich esse in der hausinternen Kantine zu Mittag und mache dann am Nachmittag nochmal eine kurze Pause. Das Essen in der Kantine ist übrigens immer sehr lecker - bei dieser Gelegenheit ein großes Kompliment und Dank an das Kantinenpersonal und den Koch!

Wie ist Ihre Qualifikation? Haben Sie Vorerfahrung im medizinischen Bereich?
Ich besitze verschiedene Qualifikationen: Ich bin ausgebildete Kauffrau für Büromanagement und habe erfolgreich die "Sachkundeprüfung nach § 34 a im Bewachungsgewerbe" bei der IHK Köln im Mai 2017 abgelegt. Vorerfahrungen im medizinischen Bereich habe ich nicht, aber ich interessiere mich sehr für die Medizin im Allgemeinen und lese in meiner Freizeit gerne viel im Internet in diesem Bereich. Ab September dieses Jahres plane ich eine auf zwei Jahre verkürzte Vollzeitausbildung zur Heilerziehungspflegerin.

Was treibt Sie an?
Mich treibt an, dass meine Arbeit sinnvoll ist und ich Wertschätzung erfahre. Ich habe bisher auch gerne im Sicherheitsdienst mit Flüchtlingen gearbeitet, aber nun freue mich auf meine Ausbildung als Heilerziehungspflegerin. Leben bedeutet stetige Weiterentwicklung und Lernen für mich. Das ist mir sehr wichtig und dies treibt mich an.

Haben Sie Angst, sich bei Ihrer Tätigkeit anzustecken?
Eine konkrete Angst vor Ansteckung habe ich für mich selbst nicht, aber ich achte auf der Arbeit jetzt ganz besonders auf den notwendigen Abstand zu anderen Menschen -  und auch im familiären Bereich. Während der Arbeitszeit desinfiziere ich mir oft die Hände und trage selbstverständlich immer Mundschutz. Ich trinke, gerade während der Arbeitszeit, viel klares Wasser und betreibe Intervallfasten, um mein Immunsystem zu stärken.

Wie wurden Sie von unserem RoMed-Team aufgenommen? Wie waren die ersten Tage?
Ich wurde vom RoMed-Team sehr herzlich aufgenommen. Insbesondere möchte ich mich bei Herrn Wolfgang Wallner von der Arbeitssicherheit bedanken. Er schaut immer bei uns vorbei, arbeitet mit und kümmert sich freundlich und aufmerksam darum, dass es uns allen gut geht und die Vorräte aufgefüllt sind. Jeden Tag freue ich mich darauf, neue hausinterne Mitarbeiter kennenzulernen und bin gespannt, wer mit mir die Schichten teilt. Es ist sehr interessant für mich durch meine Zeit hier in der RoMed Klinik einen kleinen Einblick in den Klinikalltag bekommen zu haben und ich möchte mich bei dieser Gelegenheit bei allen für die freundliche Aufnahme bedanken.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Wochen?
Ich wünsche mir für die nächsten Wochen, dass möglichst wenige Menschen ernsthaft erkranken und sterben, wir in der Lage sind, die Risikogruppen zu schützen und es schaffen werden, die Zahl der Neuinfektionen möglichst niedrig zu halten. Ich hoffe natürlich auch, dass wir bald langsam wieder anfangen können, möglichst "normal" zu leben und zu arbeiten. Die allgemeine Maskenpflicht halte ich hierbei erstmal für absolut nötig. Für mich persönlich hoffe ich, dass meine Familie, Freunde - und ich selber - gesund bleiben.

Zeigt die Bevölkerung Verständnis für die Sicherheitsmaßnahmen?
Ja, die Bevölkerung zeigt großes Verständnis für die erforderlichen Hygiene-Maßnahmen. Ich selbst habe bisher glücklicherweise kein einziges Mal erlebt, dass sich jemand beschwert oder kein Verständnis gezeigt hätte. 

Hatten Sie ein besonders schönes Vorkommnis während Ihres Einsatzes?
Ja, ich hatte ein besonders schönes Erlebnis: Bei einer jungen Mutter, die ihr Baby auf der Frühchen-Station besuchen wollte, stellte ich eine erhöhte Temperatur fest. Nach Rücksprache mit dem Stationsarzt durfte sie an diesem Tag - und für die nächsten Tage leider ihr Kind nicht mehr besuchen, da daraufhin ein erneuter Corona-Test angeordnet wurde. Sie brach in Tränen aus und war nun verwirrt und besorgt, dass sie nun nicht mehr in der Lage sein würde, ihr Baby mit ihrer Muttermilch zu versorgen. Zusammen schafften wir es, dass sie am gleichen Tag noch den Corona-Test machen konnte und durch die Initiative der engagierten Stationsschwestern, konnte sie auch später am Tag ihre Muttermilch für ihr Baby abliefern. Drei Tage später kann sie jetzt ihr Baby wieder täglich besuchen, ihre abgepumpte Muttermilch abliefern und es stillen, da sie glücklicherweise ein negatives Ergebnis bekam. Wir freuen uns nun daher jetzt immer besonders, wenn wir uns beide sehen.

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