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Palliativmedizin dort, wo sie gebraucht wird

Der neue Palliativmedizinische Dienst am RoMed Klinikum Rosenheim unterstützt die Versorgung schwer erkrankter Menschen auf allen Stationen.
Der neue Palliativmedizinische Dienst am RoMed Klinikum Rosenheim unterstützt die Versorgung schwer erkrankter Menschen auf allen Stationen.

RoMed Klinikum Rosenheim baut Versorgungsstruktur aus

Wenn eine Erkrankung nicht mehr heilbar ist, verschiebt sich der Fokus der Therapie. Neben weiterhin möglichen medizinischen Maßnahmen rückt stärker in den Vordergrund, was für den einzelnen Patienten sinnvoll und angemessen ist: Lebensqualität, Symptomlinderung sowie Orientierung und Unterstützung für Patienten und Angehörige. Genau hier setzt das RoMed Klinikum Rosenheim künftig noch intensiver an.

Ab April 2026 erweitert das Haus sein bestehendes Angebot: Ergänzend zur etablierten Palliativstation wird ein stationsübergreifender Dienst aufgebaut. Er bringt spezialisierte, palliativmedizinische Expertise dorthin, wo sie im Klinikalltag zusätzlich gebraucht wird – auf die Normalstationen ebenso wie auf die Intensivbereiche.

Unterstützung im Hintergrund – Behandlung bleibt auf der Station

Die Palliativstation bleibt ein zentraler Ort für Menschen mit besonders komplexen Symptomen und hohem Betreuungsbedarf. Gleichzeitig benötigen viele schwerstkranke Patienten rechtzeitig spezielle Begleitung, ohne dass eine Verlegung notwendig ist. „Wir erleben, dass medizinisch-ethische Fragestellungen häufig schon früh im Krankheitsverlauf entstehen“, sagt Dr. Daniel Drexler, ärztlicher Leiter der Palliativmedizin. „Mit dem neuen Angebot stellen wir sicher, dass diese Kompetenz strukturiert und bedarfsgerecht in allen Fachbereichen zur Verfügung steht.“

Der Dienst arbeitet konsiliarisch: Auf Anforderung des behandelnden Arztes kommt das Team auf die jeweilige Station, berät und begleitet. Die medizinische Gesamtverantwortung bleibt bei der Fachabteilung. Im Fokus stehen die Linderung belastender Beschwerden wie Schmerzen oder Luftnot, die gemeinsame Klärung von Therapiezielen sowie die Unterstützung bei komplexen Entscheidungsprozessen. „Palliativmedizin bedeutet nicht automatisch den Verzicht auf aktive medizinische Maßnahmen“, betont Drexler. „Sie stellt den Menschen mit seinen individuellen Wünschen und Bedürfnissen in dieser speziellen Situation in den Mittelpunkt und richtet die Behandlung bewusst danach aus.“

Orientierung in schwierigen Situationen

Gerade wenn lebensbegrenzende Erkrankungen fortschreiten, entstehen Fragen: Was dient dem Patienten in dieser Lebensphase am besten? Wo liegen seine persönlichen Grenzen? Wie kann unnötige Belastung vermieden werden? Der neue Dienst begleitet solche Gespräche multiprofessionell und bezieht Angehörige ausdrücklich ein. Auch die Planung der weiteren Versorgung – etwa in Richtung spezialisierte ambulante Palliativversorgung oder Hospiz – wird frühzeitig mitgedacht.

In der Aufbauphase rechnet das RoMed Klinikum mit rund 350 bis 400 konsiliarischen Mitbehandlungen pro Jahr. Das Kernteam besteht aus zwei Fachärzten und zwei speziell qualifizierten Pflegefachkräften; bei Bedarf werden Physiotherapie, Sozial- und Entlassmanagement, Psychoonkologie oder Seelsorge eingebunden. Ausgewählte ergänzende Angebote, etwa aromatherapeutische Anwendungen bei Unruhe oder Übelkeit, musiktherapeutische Elemente zur emotionalen Stabilisierung und Angstreduktion sowie psychosoziale und seelsorgerliche Begleitung, sollen indikationsbezogen auf allen Stationen zugänglich sein.

Pflege als zentrale Säule

Auf vielen Normalstationen gehören palliative Situationen längst zur täglichen Versorgungsrealität und verlangen neben medizinischem Wissen vor allem Zeit, kommunikative Kompetenz und große Sensibilität. „Solche Krankheitsverläufe stellen hohe Anforderungen an alle Beteiligten“, sagt Markus Thumes, Stationsleiter und Fachkraft für Palliative Care. Das palliativmedizinische Konsilteam unterstützt dort, wo zusätzliche Expertise gebraucht wird, etwa bei vielschichtigen Beschwerdebildern oder in herausfordernden Gesprächssituationen mit Angehörigen.

„Pflegende nehmen Veränderungen oft als Erste wahr“, sagt Thumes. „Unsere Nähe zu den Patientinnen und Patienten ist ein großer Wert – und eine Verantwortung. Sie verlangt Feinfühligkeit und Achtsamkeit, besonders wenn Therapieziele neu überdacht werden müssen. Der Palliativdienst stärkt diese Rolle, indem er fachliche Perspektiven bündelt und den Austausch im Sinne der Betroffenen fördert.“

18.03.2026
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