Therapie des Prostatakarzinoms

Surveillance
Unter Surveillance versteht man das beobachtende Zuwarten, d.h. hierbei wird zunächst keinerlei Therpie eingeleitet. Da man weiss, dass bestimmte lokalisierte Prostatakarzinome sehr langsam wachsen, und daher mit einer Beeinträchtigung der Lebensqualität durch den Krebs vor allem bei älteren Männern nicht zu rechnen ist, werden zunächst regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt, um ein Fortschreiten des Tumors oder eine Metastasierung möglichst rechtzeitig zu erkennen. Beobachtendes Zuwarten kann vor allem älteren Patienten empfohlen werden, bei denen ein Prostatakarzinom im Frühstadium entdeckt wurde, welches einen geringen Aggressivitätsgrad aufweist und infolge dessen eher langsam wächst. Außerdem kommen Patienten mit anderen schwerwiegenden Erkrankungen für diese Therapieform in Betracht, bei denen die Lebenserwartung eher durch Begleiterkrankungen als durch das Karzinom bestimmt wird.

Die Operation
Standard in der operativen Therapie des Prostatakarzinoms ist die radikale Entfernung der Prostata mit den anhängenden Samenblasen und Entfernung der Lymphknoten im Becken. Diese Operation wird in unserer Klinik in der Regel als sog. radikale retropubische Prostatovesikulektomie und in ausgewählten Fällen als sog. radikale perineale Prostatektomie, d. h. mit einem Schnitt am Damm zwischen Hodensack und Darmausgang durchgeführt.

Bei der retropubischen Prostatovesikuloektomie wird ein Unterbauchlängsschnitt zwischen Nabel und Schambein durchgeführt. Anschließend werden die Beckenlymphknoten entfernt und noch während der Operation feingeweblich vom Pathologen untersucht. Danach wird die Prostata mit den anhängenden Samenblasen entfernt. Je nach Ausdehnung des Krebses werden dabei die Gefäßnervenbündel, jene hauchdünnen Nervenstränge beidseits der Prostata, welche für die Potenz zuständig sind, geschont, um die Erektionsfähigkeit nicht zu beeinträchtigen. Nachdem die Prostata entfernt wurde, wird die Harnblase wieder mit der Harnröhre durch eine Naht verbunden. Zum Schutz dieser Verbindung (Anastomose) wird ein Dauerkatheter durch die Harnröhre in die Harnblase eingelegt. Diese Anastomose wird in der Regel acht Tage nach der Operation durch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel auf ihre Dichtigkeit überprüft und der Dauerkatheter entfernt.

Die Entfernung der Prostata samt Samenblasen und regionalen Lymphknoten ist die Therapieform mit der größten Wahrscheinlichkeit den Krebs definitiv aus dem Körper zu entfernen. Es ist eine anspruchsvolle Operation, die durchschnittlich 120 Minuten dauert. Der Kostaufbau sowie die postoperative Mobilisierung (Aufstehen) erfolgen bereits am ersten Tag nach der Operation. Der Krankenhausaufenthalt nach der Operation dauert ungefähr 10 Tage.

Die beiden meist gefürchteten unerwünschten Folgeerscheinungen nach radikaler Prostatovesikuloektomie sind die Harninkontinenz und die Impotenz.

Die meisten Männer erleben gewisse Schwierigkeiten, den Urin unmittelbar nach Entfernung des Dauerkatheters zu halten. Deshalb wird noch am Tag der Katheterentfernung mit geschulter Beckenbodengymnastik begonnen. Darunter zeigt sich in der Regel eine rasche Besserung der Kontinenzproblematik, so dass der überwiegende Teil der Patienten annähernd kontinent unsere Klinik verlässt. Bei einigen Patienten bleibt eine Streßinkontinenz, d. h. es kommt bei körperlicher Belastung tröpfchenweise zu Urinabgang. Die allerwenigsten Patienten erleiden einen dauerhaften Verlust der Kontinenz.

Das früher übliche Operationsverfahren führte in den meisten Fällen zur sexuellen Impotenz, d. h. zur Unfähigkeit, eine Erektion zu erlangen. Dieses Risiko kann heute durch die von uns angewandte nervenerhaltende Operationstechnik deutlich gesenkt werden. Allerdings ist diese Technik nur für solche Patienten geeignet, bei denen der Tumor nicht zu nah an die Organkapsel heranreicht. Dies ist bei fortgeschrittenen Karzinomen nicht möglich, Hauptziel ist nicht, die Potenz zu bewahren, sondern den Krebs möglich vollständig zu beseitigen.

Die Strahlentherapie
Alternativ zur Operation stehen verschiedene Formen der Strahlentherapie als kurative Therapieverfahren zur Verfügung. Die Strahlentherapie kann sowohl von außen über die Haut („externe Strahlentherapie“) als auch von innen durch das Einbringen radioaktiv geladener Metallstifte („Seed-Implantation“, Brachytherapie) in die Prostata durchgeführt werden. Als weiteres Verfahren steht die sog. Afterloading-Therapie zur Verfügung, eine Kombination aus Brachytherapie und externer Bestrahlung.

Die Therapiedauer der einzelnen Verfahren ist unterschiedlich lang; so ist bei der Seedimplantation mit einem zweitägigen stationären Aufenthalt zu rechnen, während die externe Strahlentherapie ambulant über einen Zeitraum von ca. 6 Wochen durchgeführt wird. Bei der Afterloading-Therapie erfolgt ein zweimaliger zweitägiger stationärer Aufenthalt im Abstand von sieben Tagen, mit anschließender ambulanter externer Bestrahlung über einige Wochen.

Ob und welche Form der Strahlentherapie angewendet werden kann, ist von verschiedenen Faktoren abhängig (Patientenalter, PSA-Wert, Histologie u. a.). Ebenso wie bei der operativen Therapie des Prostatakarzinoms kann es auch bei der Strahlentherapie zu unerwünschten Folgeerscheinungen wie Durchfällen, Probleme beim Wasserlassen im Sinne einer Blasenentzündung oder Blasenentleerungsstörung, Potenzverlust oder ähnlichem kommen. Durch die enge Zusammenarbeit der Urologischen Klinik mit der Klinik für Strahlentherapie werden Ihnen natürlich auch die verschiedenen Methoden genau erklärt und, wenn eine dieser Möglichkeiten für Sie in Frage kommen sollte und Sie dies wünschen, Ihnen angeboten.
 
Die Hormonentzugstherapie
Eine Hormonentzugstherapie wird in der Regel denjenigen Patienten angeboten, bei denen eine Heilung durch kurative Therapiemaßnahmen (Operation, Bestrahlung) nicht mehr erreicht werden kann, weil sich der Tumor über die Organgrenzen der Prostata ausgebreitet hat, oder weil bereits Tochtergeschwulste im Körper aufgetreten sind.

Durch die Hormonentzugstherapie wird den Krebszellen das zum Wachstum benötigte männliche Geschlechtshormon Testosteron entzogen. Dadurch kann die Tumorerkrankung meist für unterschiedlich lange Zeit gut kontrolliert und die weitere Ausbreitung des Krebses für einige Jahre verhindert werden.

Erreicht wird dies entweder durch eine operative Entfernung des hormonproduzierenden Hodengewebes oder durch eine medikamentöse Hormonblockade. Bei der chirurgischen Entfernung des Hodengewebes werden die Hoden über einen kleinen Schnitt im Hodensack ausgeschält, die Hodenkapsel sowie der Nebenhoden bleiben erhalten. Bei der medikamentösen Hormonblockade wird zunächst ein Medikament in Tablettenform einmal täglich für eine Woche verabreicht und im Anschluss eine Hormonspritze ins Unterhautfettgewebe des Bauches appliziert. Die Tablette muss für weitere sieben Tage eingenommen, und kann dann weggelassen werden.

Nebenwirkungen der Hormontherapie können in Form von Hitzewallungen, Impotenz, Libidoverlust (fehlende Lust auf Sex) und Schmerzen bzw. Schwellung der Brust auftreten. Bei Durchführung einer Hormontherapie empfehlen wir deshalb eine prophylaktische kurzzeitige Bestrahlung der Brustdrüsenkörper, um eine schmerzhafte Vergrößerung der Brust zu verhindern.

Ihre Ansprechpartner im Prostatakarzinomzentrum sind folgendermaßen direkt zu erreichen:


Hotline:

Tel +49 (0) 8031 365-33 01
Klinik für Urologie und Kinderurologie:
Dennis Schaab

    
Sprechstunde / Zweitmeinungs-
sprechstunde:

Freitag 9.00 - 13.00 Uhr
nach telefonischer Vereinbarung
über das Sekretariat
Tel +49 (0) 8031 - 365 3301

Hotline:
Tel +49 (0) 8031 365-36 01
Medizinisches Versorgungs-
zentrum für Strahlentherapie und Nuklearmedizin am Klinikum Rosenheim:  
Karl Scherer

    
Prostatakarzinomzentrum:
Fax +49 (0) 8031 365-49 24