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Hydrocephalus: Wenn das Alter nicht die Ursache ist

Eine Gangstörung muss nicht immer altersbedingt sein.
Eine Gangstörung muss nicht immer altersbedingt sein.
(v.l.): Prof. Dr. Joji Kuramatsu, Chefarzt Neurologie, Dr. Charlotte Rüther, Chefärztin Neuroradiologie, Dr. Georgios Ntoulias, Chefarzt Neurochirurgie
(v.l.): Prof. Dr. Joji Kuramatsu, Chefarzt Neurologie, Dr. Charlotte Rüther, Chefärztin Neuroradiologie, Dr. Georgios Ntoulias, Chefarzt Neurochirurgie

Gangstörungen, Vergesslichkeit und Inkontinenz gelten oft als normale Alterserscheinungen. Doch hinter den Symptomen kann eine behandelbare Erkrankung stecken. Wie das RoMed Klinikum Rosenheim Betroffenen zu mehr Lebensqualität verhilft.

Als Frau M. vor einigen Jahren bemerkte, dass ihre Schritte immer kleiner wurden, machte sie sich zunächst keine großen Gedanken. Die heute 78-Jährige wurde unsicherer beim Gehen, stolperte häufiger und mied längere Wege. Später kamen Gedächtnisprobleme hinzu, alltägliche Aufgaben fielen ihr zunehmend schwer. „Man schiebt das erst einmal aufs Alter“, erzählt sie.

So geht es vielen Betroffenen. Auch in ihrem Umfeld vermutete zunächst niemand eine behandelbare Erkrankung. Die Beschwerden schlichen sich langsam in den Alltag, bis sie deutlich spürbar wurden.

Die Diagnose lautete schließlich: Hydrocephalus. Dabei handelt es sich um eine Störung des Hirnwasserhaushalts, die vor allem im höheren Lebensalter auftritt. Hirnwasser staut sich im Gehirn und führt zu Symptomen, die häufig anderen Krankheitsbildern zugeschrieben werden.

„Gangstörungen, Gedächtnisprobleme oder Inkontinenz werden nicht selten als normale Alterserscheinungen, Parkinson oder Demenz interpretiert“, sagt Prof. Dr. Joji Kuramatsu, Chefarzt der Neurologie. Genau darin liegt das Problem.

Wenn die Ursache lange verborgen bleibt

Zwischen ersten Symptomen und Diagnose vergehen laut Studien oft mehrere Jahre. Das Krankheitsbild ist dabei keineswegs selten. „Bei Menschen über 80 Jahren ist etwa jeder Zwanzigste betroffen“, sagt Dr. Georgios Ntoulias, Chefarzt der Neurochirurgie.

Dennoch fehlt häufig dafür das Bewusstsein – mit Folgen für die Betroffenen. Je länger die Beschwerden bestehen, desto größer ist das Risiko bleibender Einschränkungen. „Das ist eigentlich untragbar“, sagt Ntoulias. Der Hydrocephalus sei grundsätzlich in vielen Fällen gut therapierbar.

Viele Fachrichtungen, ein Ziel

Um Patienten früher zu erkennen, setzt das RoMed Klinikum Rosenheim auf enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen. Im Neuro-Zentrum arbeiten Neurochirurgie, Neurologie und Neuroradiologie Hand in Hand. Hinzu kommt die Kooperation mit Hausärzten und niedergelassenen Neurologen aus dem Landkreis Rosenheim und Teilen des Landkreises Miesbach. „Hausärzte erleben die Veränderungen ihrer Patienten oft über lange Zeiträume hinweg“, erläutert der Neurochirurg. Ihre Aufmerksamkeit sei entscheidend für die Früherkennung.

Der Weg zur Gewissheit

Eine zentrale Rolle spielt die neuroradiologische Diagnostik. „Wir beurteilen keinen einzelnen Befund, sondern ein Gesamtbild“, sagt Dr. Charlotte Rüther, Chefärztin der Neuroradiologie. Entscheidend sei das Zusammenspiel von Bildgebung, Symptomen und Verlauf. MRT und CT zeigen spezifische Veränderungen im Hirnwasserraum, etwa vergrößerte Ventrikel und charakteristische Muster.

Bestätigt sich der Verdacht, kann die Diagnose auf Grundlage der typischen Anzeichen wie Gangunsicherheit, kognitive Einschränkungen oder Inkontinenz sowie passender Bildbefunde oft innerhalb weniger Tage bis Wochen gestellt werden.

Zentral ist der Liquorablassversuch: Dabei werden 30 bis 50 Milliliter Hirnwasser entnommen. Vor und nach dem Eingriff werden Gangbild und Kognition getestet. „Eine deutliche Besserung ist ein sehr starkes Zeichen“, erklärt Ntoulias.

Gleichzeitig dient die Liquoruntersuchung andere Ursachen der Beschwerden auszuschließen. Im Labor werden Biomarker untersucht, die etwa auf Alzheimer oder andere neurodegenerative Prozesse hinweisen können. „Das ist entscheidend, um keine falschen Schlüsse zu ziehen“, ergänzt Kuramatsu.

Wenn Behandlung den Alltag verändert

Bestätigt sich die Diagnose, stehen wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Meist wird ein Shuntsystem eingesetzt. Dabei wird überschüssiges Hirnwasser über einen dünnen Katheter in die Bauchhöhle abgeleitet, wo es vom Körper aufgenommen wird. Moderne Ventilsysteme lassen sich individuell einstellen. In ausgewählten Fällen kommen minimalinvasive endoskopische Verfahren hinzu.

Die Implantation solcher Systeme gehört heute zum neurochirurgischen Standard. Nach einer unkomplizierten Operation können viele Patienten das Krankenhaus bereits nach drei bis fünf Tagen verlassen. Bei älteren Patienten hängt die Aufenthaltsdauer jedoch stark vom Allgemeinzustand und Begleiterkrankungen ab. Häufig folgt eine geriatrische oder neurologische Rehabilitation.

Im Zentrum für Akutgeriatrie und Alterstraumatologie des RoMed-Klinikverbunds werden die Patienten in dieser Phase engmaschig betreut, um die neu gewonnene Mobilität zu stabilisieren und die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern.

Wieder auf eigenen Beinen

Auch Frau M. erhielt eine entsprechende Behandlung. Schon kurz nach dem Eingriff ging es ihr besser. Die Unsicherheit beim Gehen nahm ab. Wege, die zuvor kaum möglich waren, wurden wieder selbstverständlich. „Gerade die Wiederherstellung der Gehfähigkeit bedeutet für ältere Menschen häufig einen enormen Gewinn an Lebensqualität“, sagt Ntoulias. Oft kehre nicht nur Mobilität zurück, sondern auch Selbstvertrauen.

Warum das Thema an Bedeutung gewinnt

Mit einer älter werdenden Gesellschaft rechnen die Mediziner mit steigenden Fallzahlen. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass hinter vermeintlichen Alterserscheinungen eine behandelbare Erkrankung stehen kann.

Für das Ärzteteam am RoMed Klinikum Rosenheim ist die Botschaft klar: Nicht jeder Verlust der Gehsicherheit, nicht jede Vergesslichkeit ist zwangsläufig eine Folge des Älterwerdens. Manchmal lautet die Diagnose anders als erwartet. Für Menschen wie Frau M. macht genau das den Unterschied zwischen Rückzug und Teilhabe.


Hydrocephalus – die wichtigsten Fakten

  • Beim Hydrocephalus staut sich Hirnwasser im Gehirn.
  • Typische Symptome sind Gangstörungen, Gedächtnisprobleme und Blasenschwäche.
  • Besonders häufig tritt die Erkrankung im höheren Lebensalter auf.
  • Bei Menschen über 80 Jahren sind etwa sechs Prozent betroffen.
  • Die Beschwerden werden häufig mit Demenz, Parkinson oder normalen Alterserscheinungen verwechselt.
  • Moderne Behandlungsmethoden können die Symptome oft deutlich verbessern.
  • Am RoMed Klinikum Rosenheim erfolgt die Behandlung interdisziplinär im Neurozentrum aus Neurochirurgie, Neurologie und Neuroradiologie.

 

 

Über das Neurozentrum

Die Neuro-Medizin am RoMed Klinikum Rosenheim vereint die Fachbereiche Neurochirurgie, Neuroradiologie und Neurologie in einem interdisziplinären Zentrum für die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Gehirns, Rückenmarks und Nervensystems. Das Leistungsspektrum umfasst Akutversorgung bei Schlaganfällen über die Behandlung komplexer Gefäß- und Tumorerkrankungen bis hin zu Wirbelsäulen- und neurologischen Erkrankungen. Modernste Medizintechnik, innovative Therapieverfahren und die enge Zusammenarbeit aller Fachdisziplinen ermöglichen eine individuelle Versorgung auf höchstem medizinischem Niveau – stationär und ambulant.

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(Grafik: KI-generiert, inhaltlich überprüft)

07.07.2026
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